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Kostenvergleich über Funktionskosten versus Vergleich über Bauteilkosten bei Produkten der Nutfahrzeugbranche
Ausgangssituation
Ein international agierendes Unternehmen der Nutzfahrzeugbranche sah
durch die Konzentration auf eine mögliche Herstellkostenreduzierung die
Chance, die Wettbewerbsfähigkeit zweier Produktbaureihen zu stärken.
Die Notwendigkeit zur Identifikation von Hebeln zur Kostenreduzierung
war nicht zuletzt auch aufgrund der stark gestiegen Rohstoffpreise,
insbesondere bei Stahl, notwendig. Während das erste Produkt in Gänze
analysiert werden sollte, wurden beim zweiten Produkt einzelne Module
und Systeme in die Untersuchung einbezogen. Bereits bei Projektstart
stellte sich die Frage, wie innerhalb der Teilprojekte der
Kostenvergleich im Rahmen der Produktklinik ablaufen sollte.
Grundsätzlich war ein Vergleich über Funktionskosten oder über
Teilekosten denkbar.
Vorgehensweise
Bei der ersten Produktbaureihe erfolgte der Vergleich der Produkte
aufgrund der hohen Komplexität des Untersuchungsgegenstandes, des engen
Zeitplans, der hohen Vergleichbarkeit der Benchmarkobjekte auf
Komponenten- und Teileebene und der funktionellen Ähnlichkeit der
Produkte über einen Teilevergleich. Auf einen Kostenvergleich über
Funktionen wurde verzichtet. Je nach vermutetem Erkenntnisgewinn wurde
die Analyse auf Baugruppen- oder Teileebene durchgeführt. Der
systematisierte Teilevergleich unter Berücksichtigung funktionaler
Schnittstellen im Produkt gewährleistete die Vergleichbarkeit der
jeweiligen Betrachtungsumfänge. Hauptvorteil dieses teileorientierten
Bauteilvergleichs unter Berücksichtigung funktionaler Schnittstellen
war die Zeitverkürzung im Projekt. So konnte im Vorfeld auf die
detaillierte Ermittlung einer Funktionsstruktur verzichtet werden,
während der Projektarbeit war es möglich, die technische und
wirtschaftliche Bewertung der Benchmarkobjekte ohne eine
Funktionskostenmatrix direkt auf Komponenten oder Teileebene
durchzuführen und bei der Ideenfindung konnten die Ansatzpunkte und
Maßnahmen direkt den betroffenen Teilen zugeordnet werden.
Innerhalb der zweiten Produktbaureihe wurde nicht das Gesamtfahrzeug untersucht,
sondern es erfolgte eine vorherige Auswahl an Systemen und Modulen.
Besonderheit war ein Konzept in einem Teilsystem, das außer in dem
eigenen Produkt nur in einem weiteren Wettbewerbsprodukt zum Einsatz
kam. Ziel des Projektes war, neben der Identifikation von Ansatzpunkten
zur Kostensenkung bestehender Konzepte, Ideen zu generieren, die in
alternativen Lösungskonzepten Anwendung finden können und diese
hinsichtlich deren Auswirkungen auf die Produktfunktionen zu
beurteilen. Aufgrund des begrenzten Betrachtungsumfangs, der Vielzahl
unterschiedlicher Lösungskonzepte unter den Benchmarkobjekten und der
relativ geringen Komplexität erfolgte der Vergleich über
Funktionskosten. Dazu wurde im Vorfeld mit einem Expertenteam eine
Funktionsstruktur erarbeitet, die die Betrachtungsumfänge in Ihren
Funktionen beschreibt. Bei der Erstellung der Funktionsstruktur war
darauf zu achten, dass alle Funktionen sowohl des eigenen als auch der
Wettbewerbsprodukte abgebildet waren. Nach der Kalkulation der
Bauteilkosten in crossfunktionalen Teams wurden diese über eine
Funktionsstrukturmatrix zu den Funktionen zugeordnet. Ergebnis waren
die Funktionskosten für das Eigene und die Wettbewerbsprodukte.
Ausgangsbasis für die Erarbeitung der Ansatzpunkte war ein
durchgeführtes Cherry Picking. Anschließend wurde auf
Funktionskostenbasis die wirtschaftliche und technische Bewertung
durchgeführt und zusätzlich über ein Zielkostenkontrolldiagramm die
Funktionen am Markt gespiegelt. Die Erarbeitung der Ansatzpunkte zur
Kostenoptimierung erfolgte im ersten Schritt funktionsbezogen, wurde im
folgenden auf die betroffenen Bauteile transferiert und mit Maßnahmen,
Verantwortlichkeiten und Terminen hinterlegt.
Ergebnisse
Durch den zielorientierten Einsatz des geeigneten
Kostenvergleichverfahren angepasst an den jeweiligen
Untersuchungsgegenstand und an die Rahmenbedingungen im Projekt,
konnten für beide Produkte die Herstellkosten jeweils um über 20%
gesenkt werden. Ein Erfolgsfaktor war dabei das richtige Verfahren zum
Kostenvergleich. Es hat sich gezeigt, dass der Weg über die
Funktionskosten als ein zusätzlicher Schritt zur Erhöhung der
Vergleichbarkeit verstanden werden kann, verbunden mit einem höheren
zeitlichen Aufwand. Zusätzlich ist bei dem Funktionskostenvergleich von
Vorteil, dass weitere Informationen so über die Kundensicht mittels
eines Zielkostenkontrolldiagramms gewonnen werden können und jede
Funktion unmittelbar am Kundennutzen gespiegelt werden kann.
Insbesondere bei komplexen Produkten und großen Betrachtungsumfängen,
wie dem beschriebenen Gesamtfahrzeug, ist unter Einbeziehung der
zeitlichen Rahmenbedingungen zu prüfen, ob ein Vergleich über
Teilekosten möglich ist. Hauptvorteil des Teilevergleichs ist die
schnellere Anwendbarkeit und die direkte Ableitung der Ansatzpunkte
zugeordnet zu den betroffenen Bauteilen. Allerdings sollte beim
Vergleich über Teilekosten darauf geachtet werden, die Schnittstellen
im Produkt so zu legen, dass Funktionen sinnvoll abgegrenzt werden.
Dadurch wird zum einen die Vergleichbarkeit erhöht und zum anderen eine
sinnvolle Unterteilung des Untersuchungsgegenstandes gewährleistet.
Weiterführende Literatur zu dem Themengebiet:
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Produktklinik Wertgestaltung von Produkten und Prozessen - Methoden und Fallbeispiele  Buch Produktklinik |
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