Prozessoptimierung, Umstrukturierung des Back-Office und Kapazitätsplanung bei einer Privatkundenbank
Ausgangssituation
Eine Privatkundenbank beabsichtigte durch die Optimierung von Prozessabläufen sowohl
Durchlauf- als auch Bearbeitungszeiten zu senken. Des Weiteren sollte durch eine
Umstrukturierung der Back-Office-Bereiche flexibel auf Auftragsschwankungen reagiert
werden können. Ziel war die Reduzierung von Prozesskosten durch die Einführung
effizienter Prozesse und durch die Vollauslastung der Mitarbeiter in den verschiedenen
Unternehmensbereichen. Dabei war die Kundenorientierung und die Nutzung des
Kundenpotenzials zur Steigerung des Vertriebserfolgs ein Fokus der Projektarbeit.
Vorgehensweise
Die Vorgehensweise im Projekt teilte sich auf mehrere Handlungsfelder auf. Den
verschiedenen Handlungsfeldern war eine vorgeschaltete, umfassende Analyse der Ist-
Situation der Retail-Bank gemeinsam. Diese umfasste die Auswertung von Unternehmenskennzahlen
und darauf aufbauend den Vergleich von Kennzahlen mit anderen Banken
zur Identifikation von Verbesserungspotenzial. Die Analyse beinhaltete außerdem die
Aufnahme von wesentlichen Ist-Prozessen sowohl am Markt als auch in der Marktfolge
gemeinsam mit den Mitarbeitern der Bank. Die Ist-Prozessanalyse wurde bei vier
Geschäftsstellen durchgeführt, was die Identifikation von Schwachstellen und Best-
Practice-Lösungen ermöglichte. Die auf der Analysephase aufbauende Optimierungsphase
beinhaltete die Optimierung von Kernprozessen sowohl im Aktiv- als auch Passivbereich,
die Ausgestaltung eines prozessbezogenen Qualitätscontrollingkonzepts, die
Erarbeitung eines Kapazitätssteuerungsmodells für die Geschäftsstellen sowie die
Neustrukturierung und Umorganisation des Back-Office. Die Optimierung erfolgte in
Projektarbeit gemeinsam mit den relevanten Mitarbeitern, um sicherzustellen, dass alle
wesentlichen Einflussgrößen auf das Handlungsfeld berücksichtigt werden. Die Ziele und
Inhalte je Handlungsfeld werden nachfolgend aufgezeigt:
- Prozessoptimierung: Ziel der Prozessoptimierung im Aktiv- und Passivbereich war
die Erarbeitung von schnittstellenminimalen, robusten und somit bearbeitungs- und
durchlaufzeitminimalen Prozessen. Neben der Analyse der Prozessabläufe
war des Weiteren die Bildung von Varianten ein wichtiger Faktor für die Reduzierung
von Prozesskosten. Je nach Risiko des Geschäftsvorfalls wurden unterschiedlich
aufwändige Prozessabläufe erarbeitet und implementiert.
- Qualitätscontrollingkonzept: Die Zielsetzung der Einführung eines Qualitätscontrollingkonzepts
war die Verankerung des Qualitätsgedankens in der Organisation
durch die Ausgestaltung eines Qualitäts-Regelkreises. Der Qualitätsregelkreis wurde
exemplarisch für einen Hauptprozess der Bank ausgearbeitet. Fokus war die
Schaffung von Transparenz über Fehler im Prozess und darauf aufbauend die
zielgerichtete Behebung von Schwachstellen. Es wurden sowohl Konzepte zur
Messung, als auch zur Steuerung der Qualität in den Prozessen erarbeitet. Zusätzlich
wurde eine auf die Bedürfnisse der Bank abgestimmte Qualitätsorganisation
ausgestaltet.
- Kapazitätsbelastungsmodell: Ziel des Kapazitätsbelastungsmodells war die effektive
Kapazitätsverwendung und -glättung. Das Modell schafft Transparenz über die Verwendung von Ressourcen am Markt und ermöglicht die Identifikation und Lokalisierung
von Freiräumen sowie ineffizienter Arbeiten. Auf Basis des Tools können Mitarbeiterkapazitäten
kurz- und mittelfristig besser geplant und Maßnahmen zur Behebung
eventueller Ineffektivitäten zeitnah eingeleitet werden. Identifizierte Freiräume
können unter Verwendung eines Anreizsystems genutzt werden, um wertschöpfende
Aufgaben zu verrichten.
- Neustrukturierung Back Office: Neben der klassischen Prozessoptimierung trugen
Ansätze zur Strukturierung des Back-Office dazu bei die Prozesskosten zu senken.
Ansätze zur flexiblen Engpasssteuerung führten zusätzlich dazu, die kundenrelevante
Durchlaufzeit bei der Antragsbearbeitung deutlich zu verringern. Im Passivbereich
wurden Schnittstellen zwischen Markt und Marktfolge neu definiert sowie Tätigkeitsprofile
und dazugehörige Entwicklungspfade für die betroffenen Organisationseinheiten
erarbeitet.
Im Anschluss an die Optimierung der Handlungsfelder wurde die Umsetzung der
Ergebnisse geplant. Die Umsetzungsplanung beinhaltete sowohl eine Zeit- als auch
eine Personalplanung. Des Weiteren wurden konkrete Umsetzungsmaßnahmen
definiert, die eine strukturierte Vorgehensweise im Rahmen der Umsetzung ermöglichen.
Im Anschluss an die Umsetzungsphase wurde mit Hilfe eines Umsetzungscontrollings
die Nachhaltigkeit der Ergebnisse der Optimierung überwacht, um den langfristigen
Projekterfolg sicherzustellen.
Ergebnisse
Im Rahmen des Projekts wurde ein Optimierungspotenzial von 1.6 Mio. Euro jährlich
ausgewiesen und mit Umsetzungsmaßnahmen hinterlegt. Durch die klassische
Prozessoptimierung sowie die Optimierung der Prozessqualität konnte ein Potenzial
von über 800 TEUR gehoben werden. Die Umstrukturierung und Neuorganisation von
Organisationsbereichen und die Einführung eines Kapazitätsbelastungsmodells
beinhaltet ein Potenzial von 800 TEUR. Es wird erwartet, dass durch die Erweiterung
des Qualitätscontrollingkonzepts auf weitere Prozesse der Bank und die erwartete
Steigerung der Vertriebsleistung zusätzlich Potenzial realisiert wird.
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