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Wertgestaltung mit Lieferanten
Ausgangssituation
Im Rahmen einer Produktklinik wurden mehrere Wettbewerbsprodukte in ein Benchmarking
mit eigenen Produkten einbezogen. Es handelte sich dabei um mittelgroße
Baumaschinen, die von einem deutschen Hersteller ausschließlich in Deutschland
produziert werden. Die Fertigungstiefe lag bei über 60%. Sowohl einzelne werthaltige
Komponenten als auch eine Vielzahl an kleinen Bauteilen wurden von Lieferanten
bezogen. Der Kostendruck durch den Wettbewerb hatte sich im Verlauf der letzten
Jahre zunehmend aufgebaut. Für eine neue Produktgeneration waren deshalb zwingend
Produkte zu entwickeln, die ohne Verschlechterung der bekannten Markenqualität zu
signifikant niedrigeren Kosten produziert werden können. Die Wettbewerber aus dem
europäischen und asiatischen Ausland profitieren teilweise von geringeren Herstellkosten
aufgrund ihrer Standortvorteile und offerieren insbesondere bei Standardausführungen
sehr niedrige Verkaufspreise. Bei dem vorliegenden hohen Beschaffungskostenanteil
wurde im Vorfeld des Projekts entschieden, dass die Zulieferer einen deutlichen Anteil
an der Erarbeitung von Kostensenkungsmaßnahmen tragen sollen. Die Unternehmensleitung
gab grünes Licht für eine gemeinsame Wertgestaltung mit den Lieferanten, um
im Hinblick auf die Entwicklung einer neuen Produktgeneration alle Hebel auch auf
der Beschaffungsseite zu betätigen.
Vorgehensweise
Zur Durchführung der Produktklinik wurde zunächst der Projektleitfaden erstellt. Dazu
wurde die Projektarbeit strukturiert, Datenanalysen durchgeführt, die Teammitglieder
bestimmt, die Projektvorgehensweise detailliert und auch festgelegt zu welchem
Zeitpunkt mit welchen Lieferanten Workshops durchzuführen sind. Da eine neue
Produktgeneration zu entwickeln war, sollten sowohl bestehende als auch potenzielle
Lieferanten kontaktiert oder in den Demontageraum eingeladen werden. Die Potenziale
sollten aus der technischen Produktgestaltung wie auch aus dem Beschaffungsmarkt
identifiziert werden. Folgende Handlungsfelder wurden festgelegt:
- Technische Entfeinerung,
- Materialsubstitution,
- Fertigungs- und montagegerechte Konstruktion,
- Reduzierung der Teilevielfalt,
- Standardisierung,
- Variantenreduzierung,
- Funktionsintegration,
- Einsatz alternativer Lösungen,
- Optimierung der Leistungstiefe (In- / Outsourcing),
- Neue Fertigungstechnologien beim Lieferanten,
- Prozessoptimierung beim Lieferanten,
- Alternative Lieferanten,
- Nutzung der Verhandlungsmacht beim 2nd-tier Lieferanten,
- Nutzung von Standortvorteilen,
- Nutzung von Lohnkostenvorteilen beim Lieferanten und
- Verlängerung von Vertragslaufzeiten.
Im Demontageraum fanden elf Lieferanten-Workshops unter Teilnahme eines Expertenkreises
statt, der sich aus Vertretern des Einkaufs, der Entwicklung und Konstruktion,
dem Vertrieb sowie dem Service zusammensetzte. Bei diesen Workshops wurden
sämtliche Handlungsfelder diskutiert und Ideen zur Kostensenkung identifiziert. Weitere vier Lieferantengespräche waren inhaltlich enger gefasst, um beispielsweise spezielle
Technikaspekte zu diskutieren, so dass ein kleinerer Teilnehmerkreis anwesend war.
Allen Workshops und Gesprächen war gemeinsam, dass Follow-Up-Gespräche
anberaumt wurden. Diese fanden sowohl telefonisch als auch vor Ort im Demontageraum
statt. Alle Lieferanten hatten aus den ersten Workshops zahlreiche Aufgaben
mitgenommen, um Punkte im eigenen Hause zu klären.
Neben der Durchführung von Lieferanten-Workshops wurden zahlreiche Aspekte
telefonisch oder per E-Mail mit Ansprechpartnern von bestehenden aber auch möglichen
neuen Lieferanten diskutiert. Hierbei handelte es sich um Anfragen zur Klärung folgender
Punkte:
- Preisverhandlung,
- Preisindikation / Angebote für Neuumfänge oder für modifizierte Lieferumfänge (z.B.
anderer Wertschöpfungstiefe),
- Plausibilitätsklärung von aktuellen Preisen,
- Technische Machbarkeit, auch vor dem Hintergrund verschiedener Standorte und
ihrer Infrastruktur.
Die Ergebnisse aus den Lieferanten-Workshops und allen weiteren Gesprächen wurden
in denselben Konzept-Workshops und Kostengesprächen weiter behandelt wie auch
die mit dem Kernteam der Produktklinik erarbeiteten Ideen und Ansatzpunkte zur
Kostensenkung. Somit war eine ganzheitliche Diskussion aller Ansatzpunkte vor dem
Hintergrund möglicher Einsparpotenziale bei Eigen- und Fremdproduktion sowie eine
konsolidierte und einheitliche Vorgehensweise mit einheitlicher Dokumentation möglich.
Ergebnisse
Die Wertgestaltung mit den Lieferanten führte zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich
möglicher Technologien, zur Ausschöpfung der Preisspielräume, zu Detailoptimierungen
in der laufenden Serie und für die neue Produktgeneration. Darüber hinaus ergaben
sich wesentliche Änderungen für das Insourcing von Bauteilen und Wertschöpfungsschritten,
die Materialsubstitution, die Produktionsverlagerung, die Funktionsintegration
bei Bauteilen und die Einführung von innovativen, kundenrelevanten Konzepten. Durch
die Lieferanten-Workshops wurden weit über 60 zusätzliche Ideen zur Kostensenkung
identifiziert. Dieser Umfang stellte einen Anteil von 12% am gesamten Ideenvolumen
aus der Produktklinik dar. Die Wertgestaltung mit den Lieferanten hatte insgesamt
eine kostenrelevante Wirkung auf weit über 100 Ansatzpunkte und trug dadurch zu
32% am identifizierten Einsparpotenzial bei.
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