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Advanced Purchasing

Ausgangssituation

Neben der weiteren Reduzierung der Leistungstiefe durch eine zunehmende Konzentration auf Kernkompetenzen ist eine verstärkte kooperative Zusammenarbeit durch die Notwendigkeit der Bildung strategischer Allianzen entlang der Wertschöpfungskette zu beobachten. Dadurch steigt nicht nur das Einkaufsvolumen, sondern es wandelt sich auch die Qualität des Einkaufs. Der Einkauf nimmt eine zunehmend strategische Rolle im Unternehmen ein und die Risiken im Einkauf erhöhen sich. Die Notwendigkeit der gemeinsamen Informationsnutzung bei der Beschaffung zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ist eine der schwierigsten Aspekte des Advanced Purchasing. Waren in der Vergangenheit die Unternehmen im Vorteil, die Informationen gegenüber anderen abschirmen konnten, sind heute die Unternehmen im Vorteil, die wissen, wie man Informationen und Kenntnisse gemeinsam Gewinn bringend nutzt.

Konzept

Das Einkaufskonzept Advanced Purchasing basiert auf einer frühzeitigen und engen Einbindung von Einkaufskompetenzen in den Produktentwicklungsprozess. Wesentliche Konzepte innerhalb des Advanced Purchasing sind die Produktklinik im Einkauf, Konzeptwettbewerbe sowie Supplier Roadmaps.

Die frühe Einbindung von Einkauf und Lieferanten sowie die damit vorgezogene Integration potenzieller Entwicklungs- und Fertigungslieferanten bergen hohe Potenziale. Der Lieferant kann sein Know-how effektiver einbringen, da wesentliche, Kosten bestimmende Parameter zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgelegt sind. Eine späte Einbindung verringert den Spielraum des Lieferanten im Hinblick auf Gesamtkosten optimierte Produktkonzepte.

Supplier Roadmaps bestimmen den Grad der Integration des Lieferanten zu verschiedenen Phasen des Produktentstehungsprozesses. Dabei werden Lieferanten mit hohem Entwicklungs-Know-how bereits in der Produktdefinitionsphase eingebunden und die Fertigungsexperten entsprechend später, wobei die Schnittstellen klar zu definieren sind.

Methodeneinsatz in den verschiedenen Phasen des Produktentstehungsprozesses

Abb. 1: Methodeneinsatz in den verschiedenen Phasen des Produktentstehungsprozesses

Konzeptwettbewerbe beinhalten eine weltweite Ausschreibung von innovativen Lösungskonzepten unter führenden Entwicklungslieferanten. Auf Basis des Lastenhefts werden die entsprechenden Vorschläge verschiedener Lieferanten bewertet und für das favorisierte Konzept ein Entwicklungsauftrag erteilt.

Die Produktklinik im Einkauf zielt auf den Nutzenvergleich innerhalb verschiedener Wettbewerbsprodukte. Bisherige Ansätze aus dem F&E-Bereich zielen vor allem auf den Vergleich technisch-konstruktiver Lösungen von Produkten. Diese Vorgehensweise greift aber zu kurz, da sie die Kosten auf Funktionsebene außer Acht lässt. Die Produktklinik ermöglicht einen detaillierten Kosten-Nutzen-Vergleich mit dem Ziel, das eigene Produkt gezielt auf „Over-Engineering“ zu untersuchen und Funktionen ausgehend von der Kundenpräferenz zu gestalten.

Vorgehensweise

Advanced Purchasing zielt auf die Verbesserung der Abnehmer-Lieferantenbeziehung, die Umsetzung innovativer Produktlösungen und die Optimierung der Produktgestaltung auf Basis der Anforderungen von Seiten des Kunden.

Im Bereich der Produktentwicklung werden beispielsweise Kernlieferanten von Automobilherstellern bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt in den Wertschöpfungsprozess einbezogen. Durch die Bündelung umfangreicher Entwicklungs-, Fertigungs- und Logistikleistungen zu Systemleistungen erhält der Einkauf eine umfassende Gestaltungsaufgabe, die zusätzlich zu den klassischen Einkaufsaktivitäten wahrgenommen wird. Dazu gehört eine Einflussnahme auf die Produktarchitektur, die Leistungsstruktur und die Produktauslegung in der Definitions- und Konzeptphase sowie die Beeinflussung der Lieferantenleistung.

Target Costing – Zielkostenkontrolldiagramm

Abb. 2: Target Costing – Zielkostenkontrolldiagramm

Es stellt sich die Aufgabe, die jeweils besten und innovativsten Lieferanten für das eigene Unternehmen zu gewinnen und eine gemeinsame Wettbewerbsposition aufzubauen. Der Ideen- und Konzeptwettbewerb in Kombination mit neuen E-Technologien in Form des Advanced Purchasing sichert so einen nachhaltigen Vorsprung vor dem Wettbewerb.

Ergebnisse / Potenziale

Das Konzept des Advanced Purchasing konnte vom TCW in unterschiedlichen Branchen erfolgreich implementiert werden. Durch die Umsetzung von einer frühzeitigen Einbindung der Beschaffung in den Entwicklungsprozess konnten im Wesentlichen drei Effekte erzielt werden. So ist es gelungen, die Durchlaufzeit von Entwicklungsprojekten um durchschnittlich 40% zu reduzieren. Die Reduzierung der Entwicklungszeit hat darüber hinaus zu einer Reduzierung der Entwicklungskosten in Höhe von 20% geführt.

TPotenziale des Konzepts Advanced Purchasing

Abb. 3: Potenziale des Konzepts Advanced Purchasing

Weiterführende Literatur zum Thema Advanced Purchasing

News zum Thema Advanced Purchasing

Fallstudien zum Thema Advanced Purchasing

Tools zum Thema Advanced Purchasing

  • Einkaufspotenzialanalyse
    Realisierung von Einkaufspotenzialen durch die bewusste Gestaltung differenzierter Abnehmer-Lieferanten-Beziehungen
  • F&E-Zulieferer-Check
    Differenzierte Handlungsempfehlungen zur Verbesserung von F&E-Kooperationen durch systematische Analyse und Bewertung
  • Innovationsaudit mit Innovation Check
    Verbesserungspotenziale im Innovationsmanagement identifizieren und eine leistungsfähige Innovationskultur im Unternehmen verankern
  • Value Check
    Ein- und Auszahlungsströme infolge einer logistischen Investition quantifizieren und als Cashflow ausweisen


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