Gruppenarbeit und Fertigungsorganisation
Ausgangssituation
Zur Sicherung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ist eine ständige Überprüfung der Arbeitsorganisation in den direkten und indirekten Bereichen notwendig. Das Einbeziehen der Kenntnisse und Erfahrungen der Mitarbeiter, selbstständiges Denken und Handeln, die Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung sowie die Fähigkeit zur Kooperation sind wesentliche Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbesserung der Wettbewerbsfaktoren Kosten, Qualität und Durchlaufzeiten. Die Gruppenarbeit enthält methodisch und praktisch erprobte Basisstrategien und Bausteine für die Implementierung von Verbesserungsprozessen, um die sich oft unbemerkt eingeschlichene Leistungslücke zu den Wettbewerbern zu schließen. Hauptanwendungsgebiet der Gruppenarbeit sind Produktionsunternehmen. In den letzten Jahren hat sich die Gruppenarbeit aber auch bei Banken und Dienstleistern bewährt.
Konzept
Das Ziel der Gruppenarbeit ist das Aufbrechen der tayloristischen Arbeitsteilung. Die Mitarbeiter sollen die Chance erhalten, sich stärker mit den Produkten und Arbeitsschritten zu identifizieren. Durch diese breitere Wissensbasis können die Mitarbeiter ihr spezifisches Problemlösungswissen besser für eine Optimierung der Prozesse und Kosten einbringen.
Gruppenarbeit ist ein arbeitsorganisatorisches Konzept. Einer Gruppe von unterschiedlich qualifizierten Arbeitnehmern wird für einen abgegrenzten Aufgabenbereich im arbeitsteiligen Produktionsprozess die selbständige Regelung der internen Aufgabenverteilung überlassen. Dies bedeutet eine Delegation von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung auf die Gruppe.
Dies fand in Deutschland auch seinen Niederschlag im Betriebsverfassungsgesetz: „Gruppenarbeit im Sinne dieser Vorschrift liegt vor, wenn im Rahmen des betrieblichen Arbeitsablaufs eine Gruppe von Arbeitnehmern eine ihr übertragene Gesamtaufgabe im Wesentlichen eigenverantwortlich erledigt“ (BetrVG § 87 Zif. 13).
Die Gruppenarbeit geht auch meist einher mit einer Anpassung der Fertigungsstrukturen und –prozesse. In den meisten Fällen ist eine Segmentierung der Fertigung hilfreich oder erforderlich. Als Segmentierungskriterien dienen hierbei Produkte, Kunden, Märkte oder Technologien.
Abb. 2: Die Anpassung der Fertigungsorganisation führt zu überschaubaren, eindeutigen und abgegrenzten Fertigungssegmenten.
Die Gruppenarbeit hat somit auch Auswirkungen auf die Führungsorganisation und die unterstützenden Bereiche in den Betrieben. Jede Gruppe wird durch einen Gruppensprecher vertreten. Indirekte Funktionen, wie die Arbeitsvorbereitung oder die Qualitätsprüfung wird in der Funktion oder auch in personeller Vertretung in die Gruppen integriert. Der klassische Vorarbeiter wird oftmals überflüssig und der Meister wird zum Berater der Gruppen.
Vorgehensweise
Die Vorgehensweise für die Einführung von Gruppenarbeit umfasst sechs Module. Erfolgsfaktor Nr. 1 für einen nachhaltigen Erfolg ist die intensive Einbindung der Mitarbeiter sowie eine offenen Kommunikation bereits in der Anfangsphase des Projekts. Die Einbeziehung des Betriebsrates in die Projektaktivitäten ist sowohl inhaltlich als auch als „Sprachrohr zur Belegschaft“ sehr wertvoll und notwendig.
Abb. 3: Die Vorgehensweise für die Einführung der Gruppenarbeit umfasst sechs Module und führt zu einem übertragbaren und nachhaltigen Projektergebnis.
Modul 1 dient der Erarbeitung des Projektleitfadens. Die Analyse und Bewertung der Ausgangssituation ist Gegenstand von Modul 2. Modul 3 umfasst die Konzeptionierung der Gruppenarbeit hinsichtlich der Organisation, der neuen Führungsstruktur, der Arbeitszeitgestaltung und der Wertschätzung der Mitarbeiter hinsichtlich Anpassung der Entlohnung und sonstiger Maßnahmen zur Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit. Das Betriebliche Vorschlagswesen wird hierbei parallel an die Gruppenarbeit angepasst. Die Überführung der Konzepte in die pilotmäßige Umsetzung ist Gegenstand des vierten Moduls. Mit Beginn des Projektes werden Sofortmaßnahmen identifiziert und zusammen mit den Mitarbeitern umgesetzt. Modul 6 sieht die Übertragung der Maßnahmen auf weitere Standorte oder Produktionsbereiche sowie das Coaching der involvierten Führungskräfte vor.
Der Rollout hat zum Ergebnis, dass die positiven Ergebnisse durch Übertragung multipliziert werden. Somit wird erreicht, dass im gesamten Unternehmensverbund die Mitarbeiter gefördert werden und zu einem standortübergreifenden Unternehmenserfolg beitragen.
Ergebnisse
Das TCW legt bei der Durchführung seiner Projekte großen Wert auf die Nachhaltigkeit der Ergebnisse. Dies gilt umso mehr, wenn die Optimierungsansätze umfassende prozessuale oder strukturelle Veränderungen mit sich bringen, wie dies bei der Gruppenarbeit der Fall ist.
Die Wirkungen der Gruppenarbeit sind vielfältig. Gruppenarbeit führt zu nachhaltigen Produktivitätssteigerungen, trägt zu erhöhter Personalflexibilität bei, fördert die gruppeninterne sowie bereichsübergreifende Kommunikation, unterstützt einen aktiven Wissenstransfer innerhalb/ zwischen den Gruppenarbeitsbereichen, wirkt als Motivationsförderer durch die Delegation von Verantwortung sowie durch eine ziel- und leistungsorientierte Entlohnung, erfordert Führungskräfte, die als Coach/ Mentor die Teams unterstützen, führt durch Mehrfachqualifikation zu einem höheren Qualifikationsniveau der Mitarbeiter und initiiert durch die Verlagerung von Problemlösungstätigkeiten in die Gruppen einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess.
Gruppenarbeit erhöht nachweislich den EBIT und die interne und externe Kundenzufriedenheit.
Als qualitative Verbesserungen sind zu nennen:
- Verbesserung der Transparenz über die Personal- und Kapazitätsverwendung,
- Verbesserung der Schnittstellen zwischen den Abteilungen,
- Steigerung der internen und externen Kundenorientierung,
- Identifikation weiterer Optimierungsmaßnahmen,
- Steigerung der innerbetrieblichen Diskussion zur Effizienzsteigerung,
- Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit durch Entlastung von nichtwertschöpfenden Tätigkeiten.
Zudem zeigen die Erfahrungen aus den Projekten, dass die Einführung von Gruppenarbeit zu einer Verbesserung der Produktionsprozesse und der Zusammenarbeit der Fachbereiche geführt haben und das Mitarbeiterverständnis bzgl. wertschöpfender Aktivitäten erheblich gesteigert werden konnten.
Literatur zum Thema Gruppenarbeit und Fertigungsorganisation
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