Global Sourcing
Ausgangssituation
Die Optimierung der Materialkostenposition durch die Ausnutzung von lokalen Kostenvorteilen steht seit langem auf der Agenda führender Industrieunternehmen. Unter den Begriffen China Sourcing, Global Sourcing, Global Footprint Optimization oder Low Cost Sourcing wurden neue Projekte angestoßen, bestehende Produktionsstätten verlagert oder bekannte lokale Lieferanten durch günstigere Beschaffungsquellen in so genannten Low Cost Countries ersetzt. Selten wurden hierbei alle relevanten Investitions- und Folgekosten, also die gesamten Total Cost of Ownership (TCO), in die Entscheidung mit einbezogen.
In den letzten Jahren zeigt sich jedoch eine Verschiebung der Schwerpunkte beim Global Sourcing. Global Sourcing bedeutet heute auch die konsequente Nutzung von „Emerging Procurement Markets“ zur Sicherstellung der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit. Die Verlagerung von Beschaffungsvolumina auf derartige Märkte ist aber zumeist mit erheblichen Hemmnissen und Risikofaktoren behaftet.
Zielsetzung von Global Sourcing Projekten ist die signifikante Senkung der Materialkosten bei gleichzeitiger Sicherstellung der Verfügbarkeit und Qualität durch die Nutzung neuer Beschaffungsquellen und -märkte. Die Maxime lautet dabei „Produce and buy where it’s best!”.
Ein besonderes Augenmerk legt das TCW dabei auf die notwendige Analyse der Total Cost of Ownership, die Systematisierung leistungswirtschaftlicher Risiken und auf die Ableitung von proaktiven Risikohandhabungsstrategien. Unsere Erfahrungen in Einkaufsprojekten bei einer Vielzahl von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen haben gezeigt, dass eine Umsteuerung der Einkaufsströme (Footprint Optimization) auch unter Local Content-Bedingungen konfliktloser als Arbeitsplatzverlagerungen zu bewerkstelligen ist.
Konzept
Die Optimierung der Beschaffungsstrategie stellt hohe Anforderungen an die Systematik der Vorgehensweise, an die Bewertung alternativer Optionen sowie an die Realisierung. Für die Einführung ist eine fundierte Analyse der Ausgangssituation unerlässlich. Kernelement hierfür ist eine Überprüfung der Produktionsstrategie auf Produkt- und Komponentenebene, um eine optimale Sourcing-Strategie zu gewährleisten. Zudem beinhaltet der Ansatz eine systematische Analyse der bestehenden Versorgungssituation in Verbindung mit einer Total Cost of Ownership-Kalkulation.
Die Formulierung einer konsistenten Global Sourcing-Strategie umfasst die wesentlichen Aufgaben der strategischen Planung ausgehend von der Zieldefinition über die Einbeziehung der organisatorischen Möglichkeiten des Unternehmens bis zur Gestaltung des Strategieformulierungsprozesses.
Abb. 1: Fragen zur Formulierung der Global Sourcing-Strategie
Ausgehend von der strategischen Ausrichtung des Unternehmens müssen konkrete Ziele für die Beschaffungsstrategie auf der Produktebene abgeleitet werden. Dazu müssen die strategischen Grundausrichtungen Kosten-, Qualitäts- und Technologieführerschaft auf die Ziele des Global Sourcings heruntergebrochen werden. Auf diese Weise lassen sich die Ziele der Kostenoptimierung, der Markt- und Technologieerschließung sowie der Kundenanbindung auf Beschaffungsgüterebene differenzieren, die den Rahmen für den Global Sourcing-Strategieformulierungsprozess determinieren.
Dieser umfasst die Phasen der Positionsbestimmung, der Strategiebildung, der Optionenbewertung und der Umsetzung. Ferner erfordert ein umfassendes Konzept die Sicherstellung der methodischen Unterstützung der Mitarbeiter entlang des gesamten Umsetzungsprozesses bis hin zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit durch Frühwarnsysteme und ein effektives Berichtswesen.
Eine unternehmensspezifische Umsetzung des Global Sourcing-Konzepts erfordert ein robustes und zugleich adaptierbares Vorgehen.
Vorgehensweise
Für die Erarbeitung und Umsetzung einer Global Sourcing-Strategie schlagen wir eine Vorgehensweise vor, die sich in einer Vielzahl von Einkaufsprojekten bewährt hat. Die dabei eingesetzten Instrumente sind im TCW ständig weiterentwickelt worden, so dass auf einen breiten Erfahrungsschatz aus unterschiedlichen Branchen zurückgegriffen werden kann.
Abb. 2: Vorgehensweise zur Erarbeitung und Umsetzung einer Global Sourcing-Strategie
In einem ersten Arbeitspaket erfassen wir die Ausgangssituation des Einkaufs in Ihrem Unternehmen.
Dazu verwenden wir ein erprobtes Analysekonzept mit folgenden Schwerpunkten:
- Bewerten bestehender Vorarbeiten im Einkauf,
- Auditieren der Einkaufsleistung,
- Analysieren der Bedarfs- und Lieferantenstruktur,
- Identifizieren und Bewerten bestehender Hemmnisse für Global Sourcing,
- Erheben des Umsetzungsstatus der bestehenden Einkaufsstrategie.
Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf der Intensivierung der Global Sourcing-Aktivitäten. Sofortmaßnahmen werden parallel erarbeitet und fließen in die Präsentation der Analyseergebnisse ein. In Rücksprache mit Ihnen kann das Analysekonzept um weitere Module ergänzt werden. Darüber hinaus hat es sich bewährt, die internen Kunden des Einkaufs in die Analyse mit einzubinden.
Mit Hilfe einer bewährten Portfoliosystematik strukturieren wir aufbauend auf den Analyseergebnissen die Beschaffungsobjekte Ihres Hauses hinsichtlich der Eignung für Global Sourcing. Kernelemente sind das Erarbeiten eines Güterportfolios und eines Beschaffungsquellenportfolios. Durch diese separate Betrachtung wird sichergestellt, dass die Besonderheiten der Materialgruppen und die Risiken des Beschaffungsmarktes nicht vermischt aufgenommen werden.
Abb. 3: Portfoliosystematik für Global Sourcing
Das Beschaffungsgüterportfolio bildet den Ergebniseinfluss der Materialgruppen ab. Es wird auf der Grundlage von Cost-Break-Downs der Lieferanten oder, falls nicht vorhanden, einer Bottom-up-Kalkulation der Beschaffungsproduktkosten mit Hilfe von Benchmarks erstellt, die eine detaillierte Bewertung des Einflusses von Global Sourcing-Optimierungsmaßnahmen auf die Kalkulationspositionen der Beschaffungsprodukte ermöglicht. Hierbei werden die durch Global Sourcing beeinflussbaren Kostenpositionen Maschinen-, Personal-, Energie-, Material- und Logistikkosten verwendet.
Analog dazu wird in einem zweiten Schritt ein Beschaffungsquellenportfolio erstellt, welches die Situation der Beschaffungsmärkte wiedergibt. Dazu werden die Produktionsstandorte der Lieferanten mit den lokalen Faktorkosten für Arbeit, Logistik und Energie und auf Wunsch auch weiteren Faktoren bewertet. Die hierfür notwendigen Daten basieren auf laufend aktualisierten Benchmarks aus Referenzprojekten, einer dezidierten Beschaffungsmarktforschung und Erfahrungswerten aus Ihrem Unternehmen. Die Bewertung bildet die Grundlage für die Analyse des Global Sourcing-Potenzials der Beschaffungsquelle.
Das Global Sourcing-Portfolio ergibt sich durch die Kombination des Güterportfolios mit den Beschaffungsquellenportfolios. Dieses Gesamtportfolio erlaubt eine nach Materialgruppen differenzierte Ableitung von Hauptansatzpunkten. Die Hauptansatzpunkte und die Positionierung im Gesamtportfolio ermöglichen dann eine materialgruppenspezifische Potenzialbewertung und -abschätzung. Aus der Kombination der Ansatzpunkte und Materialgruppen kann eine Zielplanungsmatrix abgeleitet werden, welche die Grundlage für das Potenzialcontrolling darstellt. Die Abschätzung und Bewertung der erarbeiteten Ansatzpunkte erfolgen auf Grundlage der Produktkostenkalkulationen, die bereits in das Beschaffungs-quellenportfolio eingegangen sind und den Faktorkostendifferenzen der Alternativ-Lieferanten-Standorte. Auf diese Weise kann der Kosteneffekt der Optimierungsmaßnahme dezidiert für jeden Kostenfaktor ermittelt werden. Im Sinn der Total Cost of Ownership muss diese kalkulationsbasierte Bewertung um eine Investitionskostenbetrachtung und qualitative Faktoren ergänzt werden.
Abb. 4: Quantitative und qualitative Betrachtung der Global Sourcing-Entscheidung
Ergebnisse / Potenziale
Die Ergebnisse der charakterisierten Vorgehensweise sind:
- Beschreibung und Bewertung der Ausgangssituation im Einkauf,
- Umsetzungsstatus der Einkaufsstrategie und Wahrnehmung der Einkaufsleistung durch interne Kunden,
- Identifizierung bestehender Hemmnisse und Chancen für Global Sourcing,
- Strukturierte Analyse des Beschaffungsvolumens hinsichtlich der Eignung für Global Sourcing,
- Ableitung einer Global Sourcing-Strategie und definierte Maßnahmen zur Strategieumsetzung,
- Erarbeitete Ursache-Wirkungsbeziehungen und Potenzialabschätzung sowie
- Priorisierung von Handlungsfeldern und Vorschlag von Teilprojekten zur Umsetzung.
Abb. 5: Kosteneinsparpotenziale durch Global Sourcing
Die systematische Analyse und Bewertung ermöglicht die Umsteuerung oder verstärkte Nutzung von Beschaffungsquellen, die eine Senkung der Total Cost of Ownership von teilweise weit über 20 % erlauben.
Weiterführende Literatur zum Thema Global Sourcing
News zum Thema Global Sourcing
Tools zum Thema Global Sourcing
- Einkaufspotenzialanalyse
Realisierung von Einkaufspotenzialen durch die bewusste Gestaltung differenzierter Abnehmer-Lieferanten-Beziehungen
- F&E-Zulieferer-Check
Differenzierte Handlungsempfehlungen zur Verbesserung von F&E-Kooperationen durch systematische Analyse und Bewertung
- Online-Auktionen im Einkauf
Deutliche Preisreduzierung durch Schaffung eines virtuellen Marktes als effizienten Ersatz für bilaterale Preisverhandlungen
- SCM-Check
Qualitative Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Supply Chains und Aufzeigen von Handlungsempfehlungen
Seminare zum Thema Global Sourcing
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