|
|
|
Conjoint Measurement zur kundengerechten Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen
[26.07.2004]
"Käufermarkt" ist das Schlagwort und Problem des laufenden Jahrzehnts,
mit dem sich Unternehmen im Markt- und Absatzbereich auseinandersetzen
müssen. Die Verschärfung der Konkurrenz zwischen Anbietern von
Produkten und Dienstleistungen und die verbesserte
Informationstransparenz der Kunden durch die neuen Medien zwingt die
Unternehmen immer mehr, ihre Angebote präziser auf die Bedürfnisse
ihrer potenziellen Abnehmer abzustimmen. Dazu ist es notwendig zu
wissen, was die Kunden veranlasst sich für das eine und gegen das
andere Angebot zu entscheiden. Die Conjoint Analyse ermöglicht eine
optimale Ausrichtung von Produkten, Produktkonzepten aber auch
Dienstleistungen an den jeweiligen Markt- und Kundenanforderungen.
Ziel jedes Unternehmens ist es, die Wünsche und Anforderungen der
Kunden zu erkennen und diese optimal in Produkten umzusetzen. Kennt ein
Unternehmen die Wünsche und Vorstellungen der Kunden bzw. der
Zielgruppe, lassen sich Produkte und Dienstleistungen gezielt und
marktgerecht gestalten, positionieren und im Ergebnis wird der
Unternehmenserfolg gesteigert. Doch oftmals erweist es sich als
schwierig, die Kundenwünsche klar zu erkennen und sie gezielt in
Produktfunktionen zu übersetzen. Ein Instrument aus dem
Bereich der Marketingforschung ist die Conjoint Analyse, mit der anhand
eines softwaregestützten Interviews auch komplexere Produkte und
Dienstleistungen bewertet werden können. Die Conjoint Analyse zeigt
auf, welche Kombinationen von Merkmalen ein Produkt haben muss, um den
größten Kundennutzen und damit die größte Kaufwahrscheinlichkeit am
Markt zu erzielen. Mit Hilfe von Teilnutzenwerten für die einzelnen
Merkmale und Ausprägungen soll ein Gesamtbild geschaffen werden, dass
die Präferenzbildung des Marktes realistisch rekonstruiert, um diese
für das eigene Produktkonzept zu nutzen. Fallbeispiel: PKW-Fahrersitz Ausgangssituation
PKWs werden sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich
genutzt. Fahrer von PKW-Fahrzeugen kommen somit aus den
unterschiedlichsten Branchen und haben vielseitige Anforderungen an die
Nutzung ihres Fahrersitzes. Da der Fahrersitz ein komplexes Produkt
darstellt und nicht mit einem typischen Konsumprodukt gleichzusetzen
ist, musste hier ein Weg gefunden werden, die tatsächlichen
Anforderungen dieser Fahrer wirkungsvoll und effizient zu erfassen, um
diese auch in Produktfunktionen übersetzen zu können. Zudem handelt es
sich bei dem Untersuchungsobjekt "Fahrersitz" nicht um ein Endprodukt,
sondern vielmehr um den Bestandteil eines Endproduktes, ein Modul. Zur
Ermittlung der Kundenrelevanz auf Modulebene wurde daher die Methodik
der Adaptiven Conjoint Analyse eingesetzt. Die Adaptive Conjoint
Analyse ist ein computergestütztes Conjoint Verfahren, dass nach jedem
Befragungsschritt die erhaltenen Ergebnisse in die Gestaltung des
nächsten Schrittes integriert. Damit wird der Zielkonflikt zwischen
Befragungsdauer und -qualität gelöst und es werden, ohne dass die
Probanden überstrapaziert werden, valide Ergebnisse gewährleistet. Vorgehensweise
Ein Fahrersitz kann durch eine Vielzahl von Merkmalen und Ausprägungen
beschrieben werden. Allein das Merkmal "Höhenverstellung" kann in
mehreren Ausprägungen (z.B. Höhenverstellung mittels Hebel,
Höhenverstellung mittels Rastsystem) realisiert werden. Da die
Befragungsdauer proportional mit der Anzahl von Merkmalen ansteigt galt
es, die Merkmale auf ein realistisches Maß zu reduzieren. Es war darauf
zu achten, dass die Merkmale relevant für die Kunden, sie also einen
vermutlich kaufentscheidenden Einfluss ausüben, sowie durch den
Hersteller beeinflussbar und realisierbar sind. Hierzu wurden sowohl
Kunden als auch Mitarbeiter des Unternehmens aus den Bereichen
Vertrieb, F&E, Strategische Planung und Controlling befragt.
Dadurch wurde gewährleistet, dass die finale Auswahl auch die
relevanten Merkmale aus Kunden- und Unternehmenssicht widerspiegelt.
Die Conjoint Software wurde mit den ausgewählten Merkmalen und
unterstützenden Visualisierungselementen (Piktogramme, Fotos,
Beschreibungen) programmiert. Die Probanden wurden in einer groß
angelegten Befragung sowohl internetbasiert als auch in einer
Face-to-Face Befragung (mittels Notebook) interviewt. Die
Leistungsdimensionen wurden den Testpersonen dabei in Form von
Verbalstatements vorgestellt. ErgebnisseDie aus den
Befragungen erhaltenen Ergebnisse (Gesamtnutzen- und Teilnutzenwerte)
stellten die Grundlage für die Abschätzung des Produktpotenzials dar.
So wurden nach der First-Choice-Regel "optimale" Produkte gebildet. Es
wurde angenommen, dass Entscheider (in jedem Fall) das Produkt wählen,
das den höchsten Gesamtnutzen aufweist. Es wurden somit
Fahrersitzkonzepte entwickelt, die für die Probanden nutzenmaximal
sind. Zudem wurden die Ergebnisse an Hand von Segmentierungskriterien
aufbereitet. So konnten Erkenntnisse über die Anforderungen von
Probanden mit ähnlichen Nutzungsgewohnheiten gewonnen werden. Grundlage
einer solchen Segmentierung waren sowohl Cluster-Analysen im Anschluss
an die Nutzenschätzung als auch eine segmentspezifische Nutzenschätzung
direkt anhand der Urteile der Befragten (Faktoranalyse). Auf dieser
Basis können für bestimmte Personengruppen Ausstattungspakete
entwickelt werden, die vom Kunden als mehrpreiswürdig angesehen werden.
Prognosen des Marktgeschehens bei Variation der
Fahrersitzstruktur waren ebenfalls von Interesse. Mit What-If-Analysen
konnte gezeigt werden, wie sich an Hand einer Neugestaltung eines
Produkts das prognostizierte Marktgeschehen beeinflussen lässt. Damit
wurde eine besonders zielgenaue Gestaltung des Fahrersitzes ermöglicht.
Weiterführende Literatur: - Entwicklungstrends: Entwicklungstrends in der Automobil- und Zulieferindustrie - Eine empirische Studie
- Kundenorientierung: Einführung eines Beschwerdemanagements und Ausrichtung von Vertrieb, F&E, Produktion und Mitarbeitern auf Kundenbedürfnisse
- Produktklinik: Leitfaden zur Steigerung der Lerngeschwindigkeit und Produktkostensenkung
- Produktordnungssysteme: Leitfaden zur Standardisierung und Individualisierung des Produktprogramms durch intelligente Plattformstrategien
- Produktklinik: Wertgestaltung von Produkten und Prozessen
- Wildemann,
H. (2004): Der Kunde als Entwickler: Internetbasierte Conjoint Analyse
für Investitionsgüter, in: VDI-2 146 (2004), Nr. 3, S. 59 - 62
- Wildemann,
H. (2003): Wider die Modellvielfalt in der Automobilindustrie, in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 285, 08.12.2003, S. 18
Seminare: nach oben
zurück
|
|
|
Was ist eine "Conjoint Analyse"?
|
Die Conjoint Analyse ist eine Methode zur systematischen Ermittlung von Kundenanforderungen und Erhebung von Mehrpreisfähigkeiten, deren Anwendung durch das TCW auch auf Investitionsgüter übertragen wurde. Der Nutzen der Conjoint Analyse liegt in der Reduzierung von Überfunktionalitäten, der Vermeidung von Over-Engineering und der Ausschöpfung von Preisspielräumen mit dem Ziel einer kosten- und nutzenoptimalen Produktgestaltung.
Beratungleistungen zur "Conjoint Analyse" |
|
|
|
|
Literatur
|
Kundenorientierung Einführung eines Beschwerdemanagements und Ausrichtung von Vertrieb, F&E, Produktion und Mitarbeitern auf Kundenbedürfnisse  Leitfaden Kundenorientierung |
|
|
Literatur
|
Produktklinik Leitfaden zur Steigerung der Lerngeschwindigkeit und Produktkostensenkung  Leitfaden Produktklinik |
|
|
Literatur
|
Produktordnungssysteme Leitfaden zur Standardisierung und Individualisierung des Produktprogramms durch intelligente Plattformstrategien  Leitfaden Produktordnungssysteme |
|
|
Management-Seminar
|
Produktklinik & Produktordnungssysteme Unternehmensindividuelle Erschließung von Innovations-, Synergie- und Marktpotenzialen ...mehr Informationen |
|
|
|
|
|