|
|
|
Effiziente Unternehmensfusionen: Eine erprobte Vorgehensweise
[26.09.2001]
Die Welt wird dynamischer und komplexer. Fusionen und Akquisitionen
werden oft als Mittel verwendet, den daraus resultierenden erhöhten
Wettbewerbsansprüchen zu genügen, weil Fusionen in den Augen vieler
Manager die einfachste Möglichkeit zur Erschließung neuer Märkte und
zur Generierung von Wachstum darstellen. Doch dass es nicht ganz so
einfach ist zeigt die Praxis. Nur 20% aller Fusionen in den letzten
fünf Jahren erwirtschafteten die Kapitalkosten, 30% wurden sogar wieder
verkauft, nachdem die vorgesehenen Ziele nicht realisiert werden
konnten.
Es vergeht fast kein Monat, indem nicht Meldungen über eine neue
"Mega-Fusion" durch die Medien gehen. In den letzten 15 Jahren hat sich
die Zahl der Unternehmenszusammenschlüsse verdreifacht. Allein in den
letzten fünf Jahren haben weltweit mehr als 40.000
Unternehmenszusammenschlüsse stattgefunden. Dieser Trend ist branchen-
und länderübergreifend zu beobachten und die prognostizierten
Synergiepotentiale erreichen beträchtliche Höhen. So rechnet man bei
E-on durch die Fusion von Veba mit Viag allein im Strombereich mit
einem Einsparpotential von 700 Mio. Euro. Beflügelt durch die damit
geweckten Fusionsphantasien stieg der Kurs im Frühjahr um 10%. Doch der
letztliche und tatsächliche Erfolg dieser Fusionen ist noch nicht
garantiert. Denn bei etwa 80% der Fusionen sind die strategischen
Prämien und Kaufpreise im Nachhinein sogar höher als die tatsächlich
realisierbaren Synergiepotentiale und Umsatzzuwächse. BMW und seine
Trennung von der erst so vielversprechenden Errungenschaft Rover ist
einer der bekanntesten Vertreter einer Fusion, bei dem die Träume von
den Marktanteilen wie Seifenblasen zerplatzt sind. Und das ist nicht
die einzige Fusion die hinter den gesetzten Erwartungen zurückgeblieben
ist. Das Institute for Mergers & Acquisitions (IMA) der
Universität Witten/Herdecke hat insgesamt 103 Fusionen mit Beteiligung
deutscher Unternehmen untersucht. Obwohl man relative gute
Erfolgsquoten bei Mittelständlern bis zu einer Milliarde Mark Umsatz
feststellen konnte war das Gesamtergebnis dieser Studie ernüchternd:
Nur bei 44 Prozent der fusionierten Unternehmen stieg der Umsatz und
bloß bei 24 Prozent der Börsenkurs.
Die Ursachen für den Misserfolg von Fusionen sind vielfältig:
Niedrige Integrationsgeschwindigkeit und damit lange Integrationsphasen
führen zu Unsicherheit und Motivationsschwierigkeiten unter den
Mitarbeitern. Damit wird verhindert, dass die vorhandenen Ressourcen
zielgerichtet eingesetzt werden und die Optimallösung erreicht wird.
Eine konsistente Unternehmensausrichtung des neuen Gesamtunternehmens
fehlt häufig und damit fehlt auch der Identifikationsgegenstand für die
Mitarbeiter. Die Arbeitsmoral verschlechtert sich, Leistungsträger
wandern ab, und die Produktivität des neuen Unternehmens sinkt
drastisch. Oft werden mit den Mitarbeitern auch Kunden zu Wettbewerbern
abgezogen, wodurch zusätzlich noch Marktanteile verloren gehen. Tatsache
ist, dass eine Integration nicht zum Core Business einen Unternehmens
gehört und damit tendenziell als lästiges und unbeliebtes Beiwerk
gesehen wird, dass schnellstmöglich erledigt werden muss, um sich
wieder dem Tagesgeschäft widmen zu können. Dabei gehört die Optimierung
der Integrationsprozesse angesichts der zunehmenden Ansprüchen an
Unternehmenszusammenschlüsse und Akquisitionen zu den anspruchsvollsten
und wichtigsten Herausforderungen der Unternehmen von heute. Integrationsmanagement Eine
professionelle Integrationsgestaltung und Organisation von
Integrationsprozessen kann diese negativen Effekte eindämmen oder im
Idealfall sogar ganz verhindern. Nur so können die identifizierten
Synergiepotentiale realisiert und das angestrebte Unternehmenswachstum
erreicht werden. Viele Fusionen werden in der
Pre-Acquisiton-Phase tiefgehend analysiert und teilweise professionell
unterstützt, sobald die Verträge unterschrieben sind endet die Planung
und es wird erwartet, dass sich die beiden Unternehmen irgendwie
"zusammenraufen". Diese Vorgehensweise ist allerdings nur in
Ausnahmefällen erfolgreich und kann dem Unternehmen richtig schaden.
Eine konsequente Integrationsplanung erhöht die Erfolgsquoten
nachweislich drastisch. Aus diesem Grund ist ein Projekt
Management erforderlich, das sofort nach Abschluss der Verträge die
Vorgehensweise der Integration einleitet und später auch die Umsetzung
der erarbeiteten Konzepte und Strategien leitet und unterstützt. Je
nach Umfang und Komplexität der Fusion kann das gesamte
Integrationsprojekt ein bis zwei Jahre beanspruchen und eine Vielzahl
von Einzelprojekten umfassen. Integrationsgestaltung Bevor
Milestones definiert werden können, sind aus den Fusionsabsichten die
konkreten Ziele für die Integration abzuleiten. Da diese Ziele
Grundlage der gesamten Integrationsbemühungen sind, ist sowohl auf die
Formulierung und Dimensionierung des Ziels zu achten, als auch auf die
an der Zielfindung beteiligten Personen und Stellen. Je breiter die
Basis ist, die diese Ziele erarbeitet, desto größer ist der Rückhalt
bei der Durchsetzung dieser Ziele, umso größer sind aber auch
Abstimmaufwand und Zeitbedarf. Da der Erfolg einer Integration
letztendlich an finanziellen Kennzahlen gemessen wird, müssen auch
klare Umsatz-, Ergebnis- oder Renditeziele festgeschrieben werden. Auch
die erwarteten Synergiepotentiale müssen nicht nur benannt, sondern
auch beziffert werden. Daneben können qualitative Aussagen zur
relativen Marktstellung im Verhältnis zu einzelnen Wettbewerbern oder
zur Präsenz auf regionalen Märkten getroffen werden. Darüber hinaus
sollte das Unternehmen die Integration aber auch als eine Gelegenheit
zur Überprüfung der bisherigen Organisation zu nutzen. Wird es als
notwendig erachtet können weitere Ziele wie z.B. die Neuorganisation in
Profit Centern oder die Einführung von Arbeitszeitmodellen oder
Incentive-Systemen sein. Um die Vielzahl und auch die
Komplexität der Einzelprojekte zu steuern, muss eine klar strukturierte
Organisation mit definierten Verantwortlichkeiten geschaffen werden.
Bei kleineren Unternehmen mit wenigen Produktbereichen, deren Umsatz
ca. 500 Millionen Euro beträgt, hat sich eine dreigliedrige
Projektorganisation aus Integrationsvorstand, Integration-Office, das
die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen unterstützt und Projektteams,
die Maßnahmen erarbeiten, in der Praxis bewährt. Bei "Mega-Fusionen"
ist es ratsam zusätzlich einen Lenkungsausschluss einzusetzen, der die
Verabschiedung von Maßnahmen in Teilprojekten z.B. in einzelnen
Geschäftsbereichen übernimmt.
Wichtig ist, dass der Integrationsvorstand und der Lenkungsausschluss zu jedem Zeitpunkt in
der Lage sind und schnelle Entscheidungen zu treffen, handle es sich um
Organisationsfragen oder Personalentscheidungen. Es muss außerdem
kommuniziert werden, dass die Integration von oberster
Unternehmensführung unterstützt wird. Besonders deutlich wird die
Unterstützung, wenn der Vorstand persönlich im Lenkungsausschluss der
Integration sitzt. Neben der Aufwandsplanung für die
Integration und die Aufstellung eines vorläufigen Budgets für das neue
Gesamtunternehmen ist an dieser Stelle bereits mit der Kommunikation zu
beginnen. Von Anfang an ist eine Stelle zu benennen, die für die
Kommunikation der Projektziele, des Projektfortschrittes und der
Ergebnisse oder Entscheidungen an Mitarbeiter und Kunden verantwortlich
ist. Nichts gefährdet den Erfolg eines Integrationsprojektes mehr als
Unsicherheit unter den Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Es ist
deshalb sicherzustellen, dass so weit wie möglich Transparenz über die
Integrationsvorhaben und Ziele herrscht und jeder Kunde, Lieferant oder
Mitarbeiter eine Anlaufstelle bei Fragen zur Integration hat. Integrationsdurchführung Die
Gestaltung des Übergangs zur Realisierungsphase ist von ganz
entscheidender Bedeutung für den Gesamterfolg der Integration. Bis
dahin hat ein "eingeschworener" Personenkreis Konzepte für die Zukunft
es neuen Gesamtunternehmens entwickelt. Mit dem Übergang in die
Durchführungsphase nicht die Anzahl der beteiligten und betroffenen
Personen exponentiell zu. Und jedes Konzept ist nur so gut, wie die
Personen die dieses Konzept umsetzen sollen. Da die meisten Projekte
komplexe und anspruchsvolle Aufgaben mit sich bringen, ist darauf zu
achten, dass kompetente und motivierte Mitarbeiter aus Linien- und
Stabsfunktionen für die Integrationsteams gewonnen werden, die über
Prozess- und Marktkenntnis verfügen und sich außerdem mit der
gestellten Aufgabe identifizieren. Ebenfalls ausschlaggebend
für den Gesamterfolg der Integration ist die Priorisierung der
Integrationsprojekte, d.h. die Reihefolge in der man Konzepte umsetzt.
Hier stehen mehrere Ordnungskriterien zur Verfügung, die sich nicht
gleichzeitig realisieren lassen. Schnelle Erfolge bestätigen die
Berechtigung des Gesamtprojektes und motivieren,den eingeschlagenen Weg
weiter zu verfolgen. Aus diesem Grund sind diejenigen Teilprojekte
zeitlich zu forcieren, die schnell einen Betrag zur Steigerung des
Gesamtunternehmenswertes beitragen. Grundsätzlich ist allerdings auch
anzustreben, große Projekte mit starker Veränderungswirkung zu
priorisieren, da kleinere Projekte sich bereits an den veränderten
Rahmenbedingungen orientieren können. Abhängigkeiten einzelner Projekte
voneinander erschweren den Priorisierungsprozess zusätzlich. Ein
letzter, aber nicht minder wichtiger, Aspekt der Einfluss auf den
Erfolg einer Unternehmensintegration hat, ist das Projekt-Controlling.
Dabei handelt es sich um das individuelle Nachhalten der Ziele und der
aktuellen Stati einzelner Projektteams für die Erstellung des
Integrationsmaterplans. Zum anderen beinhaltet es das
Maßnahmencontrolling, welches auf Gesamtunternehmensebene alle
entwickelten Maßnahmen aus den Teilprojekten zusammenführt und den
Stand der Werterzeugung nach Themenbereichen auf Einzelprojektebene
zeitlich detailliert nachhält. Bei großen Integrationsprojekten hat
sich die Einsetzung eines eigenständigen Teams bewährt, welches
full-time zusammen mit den Teilbereichen die Umsetzung der Maßnahmen
verfolgt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fusionen
aufgrund von zunehmender Globalisierung, erhöhtem Kostendruck und
kürzeren Produktlebenszyklen eine zunehmende Bedeutung zukommen wird.
Doch umso mehr müssen bei jeder Fusion neben den verlockenden
Synergiepotentialen und Wachstumspotentiale auch die Gefahren eines
Zusammenschlusses oder einer Übernahme realisiert werden. Denn nur
frühzeitiges Vorbeugen kann sicherstellen, dass die Fusion auch die
erwünschten Erfolge bringt. Und obwohl jedes Integrationsprojekt allein
durch die Branchen, die Region oder die Unternehmensgröße einen
individuellen Charakter aufweist gibt es fünf allgemeine Grundsätze die
zu berücksichtigen sind. - Hohe Hierarchische Aufhängung der Integration durch Einsetzung von Top-Führungskräften in den Integrationsprozess
- Berücksichtigung unterschiedlicher Unternehmenskulturen und Entwicklung einer gemeinsamen Vision
- Nutzung der Fusion zur allgemeinen Verbesserung des Unternehmens
- Schnelligkeit bei der Umsetzung verbessert die Motivation bei den Mitarbeitern
- Offenen und zügige Kommunikation der Ziele, Maßnahmen und Ergebnisse
Weiterführende Literatur: - Unternehmensfusion. Der Krupp-Hoesch-Thyssen Fall (TCW-report), 1. Aufl., München 2000, ISBN 3-931511-61-8
- Instrumente zur Implementierung des Kulturellen Wandels von Unternehmen (Buch), 1. Aufl., München 2001, ISBN 3-934155-64-2
- Standortplanung:
Leitfaden zur Standortplanung für Zulieferunternehmen, Hersteller und
Kooperationspartner, 9. Aufl., München 2002, ISBN 3-929918-37-4
- Value Creation (TCW-report), Ein Programm zur Wertsteigerung von Unternehmen, 1. Aufl., München 2002, ISBN 3-934155-12-X
- Entwicklungsstrategien für Zulieferunternehmen (Buch), 3. Aufl., München 1996, ISBN 3-929918-69-2
- Virtuelle
Organisation (TCW-report), Wege zur Gestaltung und Anwendung virtueller
Unternehmen, 1. Aufl., München 2000, ISBN 3-931511-49-9
nach oben
zurück
|
|
|
|
|
|
|
Literatur
|
Standortplanung in Produktionsnetzwerken Standortplanung in Produktionsnetzwerken für Zulieferunternehmen und Hersteller  Leitfaden Standortplanung |
|
|
|
|
|
|
|
|
|