Gestaltung eines Büro-Layouts zur Förderung des Wissenstransfers in einer Schweizer Bank - Mitarbeiterintegration im Post-Merger
[07.01.2003]
„Alles Wissen und alles Vermehren unseres Wissens endet nicht mit einem
Schlusspunkt, sondern mit einem Fragezeichen", lautet ein Zitat von
Herman Hesse. Wie ist diese Aussage in der heutigen Wissensgesellschaft
zu interpretieren: Zum einen ist die Halbwertszeit des Wissens sehr
kurz, neues Wissen muss also permanent erworben werden, zum anderen ist
es entscheidend, einen aktiven Wissenstransfer im Unternehmen zu
fördern, um eine „wettbewerbsfähige Wissensbasis" zu sichern.
Bei einer der bedeutenden Schweizer Banken kam es durch Fusion zur
Zusammenführung zweier Abteilungen mit den gleichen inhaltlichen
Aufgabenbereichen, die aber unterschiedliche Prozess-Strukturen
aufwiesen und zu deren Unterstützung differierende EDV-Systeme
eingesetzt wurden. Es bestand die Notwendigkeit eines
effizienten Wissenstransfers, da aufgrund der Größe der vormals
getrennten Abteilungen eine durchgängige Vertretungsregelung im
Krankheits- und Urlaubsfalle und eine Absicherung des
Vier-Augen-Prinzips nicht gewährleistet waren. Dieser Wissenstransfer
sollte durch die Gestaltung eines neuen Büro-Layouts unterstützt werden.
Bei der Planung des Büro-Layouts waren neben dem Primärziel des
internen Wissenstransfers noch Nebenbedingungen wie räumliche
Restriktionen (keine großen Umbauten möglich), Kapazitätsanforderungen
(21 Mitarbeiter in fünf Räumen) sowie gesetzliche Rahmenbedingungen zu
beachten. Zu Beginn der Bearbeitung wurde den Mitarbeitern
erklärt, dass das entsprechende Konzept unter Beachtung der
Nebenbedingungen von den Mitarbeitern selbst gestaltet und
ausgearbeitet werden solle. Hintergrund war, dass durch diese Maßnahme
ein gemeinsames Vorgehen bei der Durchführung von Workshops und
Teamsitzungen bedingt wurde und somit ein Schritt in Richtung
Integration zwischen den beiden ehemaligen getrennten Abteilungen getan
werden konnte. Im Anschluss wurden den Mitarbeitern
Bürokonzepte externer Anbieter vorgestellt und erläutert. Diese konnten
dann im Rahmen einer Teamsitzung als Ausgangsbasis zur Bewertung von
Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Elemente (verwendetes Mobiliar,
Anordnung der Tische, Eignung als PC-Arbeitsplatz bzw. zur
Unterstützung der abteilungsinhärenten Prozesse etc.) herangezogen
werden. Aufbauend auf der Diskussion und der Bewertung
einzelner Elemente eines Bürokonzepts wurden dann in einer weiteren
Teamsitzung Wünsche und Anforderungen der Mitarbeiter an ein solches
Konzept herausgearbeitet. Die Zusammenstellung der gewonnenen
Erkenntnisse und Anforderungen führte schließlich zu einem neuen und in
Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern erarbeiteten Büro-Layout.
Im Ergebnis konnte bereits durch die gemeinsame Ausarbeitung des neuen
Büro-Layouts ein gewisser Grad an Integration zwischen den Mitarbeitern
der Abteilung herbeigeführt werden. Diese war insbesondere darauf
zurückzuführen, dass im Rahmen der Teamsitzung auch inhaltliche Aspekte
der Tätigkeiten diskutiert werden mussten, um diese in Anforderungen an
Gestaltung und Ausstattung übersetzen zu können. Dies führte bereits an
dieser Stelle zu einem Know-how-Transfer zwischen den Mitarbeitern, so
dass alle Mitarbeiter der Abteilung Kenntnis über die Aufgabengebiete
und Tätigkeiten der jeweiligen Kollegen erlangen konnten.
Darüber hinaus fördert die Ausgestaltung der Büros in der Form von
Gruppentischen („Inseln"), wie sie von den Mitarbeitern erarbeitet
wurde, den direkten Austausch zwischen den Mitarbeitern der Abteilung.
Bei entsprechender Zuordnung von Arbeitsplätzen führt dies im Rahmen
des Tagesgeschäfts zu einem weiteren informellen Transfer von internem
Wissen. Unterstützend wirkt dabei auch die Auswahl der Büroelemente. So
wählten die Mitarbeiter große Schreibtische, da diese PC-Tätigkeiten
wesentlich besser unterstützen als kleine Arbeitsplätze in Verbindung
mit Stehpulten, wie sie von den Büromöbelausstattern vorgeschlagen
wurden. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass sowohl das
Büro-Layout als solches als auch der Prozess zur Ausarbeitung
desselbigen durch die kurzen Kommunikationswege und die enge
Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern zu einer erheblichen Erhöhung
des internen Wissenstransfers geführt hat. Dies äußert sich nicht nur
in kürzeren Abstimmungszeiten zwischen den Mitarbeitern, sondern
insbesondere in einer hohen Problemlösungsfähigkeit und verbesserten
Leistungsfähigkeit innerhalb der Gruppe. Weiterführende Literatur: Seminare: - Intensivseminar: Schnell lernende Unternehmen - Quantensprünge im Wettbewerb am 07. - 11. April 2003 in München
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