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Komplexitätsreduzierung durch Einbeziehung des Handels als strategischen Systempartner im Supply Chain Management

[30.06.1999]

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Teile mit geringen Herstellkosten oder einem niedrigen Preis verursachen hohe Versorgungskosten und Komplexität. Ein Großteil des Bestandsvolumens wird durch diese Teile gebunden, der Anteil am Bestandswert ist dagegen relativ gering. Die Einbeziehung des Handels als strategischen Systempartner im Supply Chain Management eröffnet die Möglichkeit der Prozesskostenreduzierung, Bestandssenkung und Komplexitätsreduzierung für dieses Teilespektrum.

Das Management der Supply Chain eines Unternehmens stellt für die betroffenen Abteilungen des Abnehmers einen erheblichen Aufwand dar. Konzepte wie Modular Sourcing helfen nur bedingt die Zahl der Schnittstellen zu den Zulieferern zu reduzieren. Die Koordination der Kom­ponenten­lieferanten erfolgt durch den Systemführer oder Modullieferanten. Die Bildung von Modulen ist jedoch nicht für alle Zukaufteile möglich. Einzelkomponenten, die erst am Montageband eingebaut werden können, müssen nach wie vor im Single Sourcing beschafft werden. Die Einbeziehung eines Lieferanten als Systemführer für diese Komponenten ist mit dem Handelsunternehmen möglich. Die Vorteile des Handels gegenüber einem Logistikdienstleister bestehen darin, dass ein Systemführer verschiedene Kompetenzen aufweisen muß. Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich die Logistik, also die Steuerung des Informations- und Materialflusses. Im Rahmen des Supply Chain Managements reicht logistische Kompetenz allein nicht mehr aus. Neben der Optimierung der Logistik gehören auch die Auswahl der Sublieferanten sowie das Risikomanagement zu den Aufgaben des Systemführers. Der Handel verfügt über spezifisches Teile-Know-how in seinem Produktspektrum. Deshalb kann er Ersatzkomponenten anbieten, wenn es zu Lieferausfällen einzelner Teile kommt. Dies ist vor allem bei kritischen Komponenten wichtig, deren Fehlen zu einem Produktionsstopp des Abnehmers führen kann. Das Handelsunternehmen ist Mittler im Vertriebskanal mehrerer Hersteller von Komponenten, so dass eine Umsteuerung auf einen anderen Zulieferer möglich ist. Der Abnehmer ist von einer kurzfristigen Suche nach Ersatzlieferanten entlastet. Der Handelspartner steht darüber hinaus in ständigem Kontakt zu seinen Lieferanten. In den Logistikabteilungen des Abnehmers ist dies vor allem bei den Hauptlieferanten der Fall. Die Versorgung mit Einzelkomponenten mit niedrigem Wert erfolgt vor allem effizient. So kann keine ständige Betreuung der Vielzahl von Lieferanten dieses Teilespektrums erfolgen. Als Folge werden Probleme eines einzelnen Lieferanten oft erst spät bemerkt, in vielen Fällen zu spät. Das Handelsunternehmen verfügt über aktuelle Informationen über seine Lieferanten. So können Risiken frühzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Das Handelsunternehmen bietet eine Optimierung der Prozesssteuerung durch die Nutzung seiner informatorischen Vernetzung. Der Handel stellt ein breites Sortiment von Qualitätsprodukten zur Auswahl, deren Spezifikationen, Mengengerüste sowie Bezugsmaterialien einmal vom Abnehmer festgelegt wurden. Vom Handel werden die DV-technischen Abrufmöglichkeiten installiert und alle Verbrauchsorte des Abnehmers zum Bedarfszeitpunkt versorgt. Zur Realisierung dieser informatorischen Vernetzung müssen standardisierte Informationen ausgetauscht werden. Hersteller und Zulieferer bedienen sich des Auftragsabwicklungssystems des Handels zur Prozesssteuerung. Dadurch ist eine einheitliche Datenbasis gewährleistet. Im Rahmen einer Produktdatenanfrage des Herstellers, beispielsweise aufgrund einer Produktänderung, können die Produktstammdaten sowie Preislisten und Kataloge der Zulieferanten vom Handelsunternehmen abgerufen werden. Vom Hersteller werden die relevanten Berichts- und Planungsdaten, Verbrauchsberichte/-prognosen und Lagerbestände an den Verbrauchsorten in das System eingespielt. Damit kann das Handelsunternehmen simultan die entsprechenden Bedarfe bei den Zulieferanten auslösen. Dieses Verfahren ermöglicht durch die Reduzierung von Datenschnittstellen eine Beschleunigung der Beschaffungsprozesse. Handelsunternehmen agieren in ihrer traditionellen Rolle als Handelsmittler mehrerer Hersteller von B- und C-Teilen. Für sie eröffnen sich Chancen und Risiken durch die Ausweitung auf neue Geschäftsfelder, sie können Skaleneffekte nutzen und zu Kosten- oder auch Technologieführern in ihrem Teilespektrum werden. Handelsunternehmen können durch die Bildung von Kooperationen sowie durch die Wahrnehmung zusätzlicher Koordinationsaufgaben einen Beitrag zur Senkung der Beschaffungsprozesskosten leisten. Das Handelsunternehmen kann sich durch eine Erweiterung des Serviceleistungsumfanges als Vollsortimenter gegenüber dem Wettbewerb differenzieren.

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