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Kundenorientierte Gestaltung von Softwarekomponenten
[30.09.2003]
Ein weltweit tätiges Unternehmen der Informations- und
Kommunikationsbranche stellt unter anderem Softwarekomponenten her, die
die Entwicklung und den Betrieb von Informations- und
Kommunikationsdiensten unterstützen. Diese Softwarekomponenten sind
nach einem modularen Prinzip aufgebaut und enthalten eine Vielzahl von
technischen Funktionen. Zusätzlich zum Produkt werden Serviceleistungen
angeboten, unter anderem in Form von Schulungen, Beratung und einem
24-Stunden-Service. Das Marktumfeld ist von hohem Wettbewerb und
begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen gekennzeichnet. Für
die Festigung der Wettbewerbsfähigkeit sowie die Weiterentwicklung und
Vermarktung der Softwarekomponenten war daher eine verstärkte
Kundenorientierung erforderlich.
Im Vordergrund der Kundenorientierung steht das Ziel, eine hohe
Kundenzufriedenheit zu erreichen, die den Verkauf der Produkte fördert.
Kundenzufriedenheit entsteht durch einen Vergleich der Erwartungen und
Anforderungen des Kunden mit den wahrgenommenen Merkmalen des
Produktes. Zudem ist, insbesondere bei Geschäftskunden entscheidend,
einen möglichst hohen Nutzen zu generieren, im Vergleich zu den Kosten,
die durch die Verwendung des Produktes entstehen. Für eine
Weiterentwicklung der Softwarekomponenten sowie deren gezielte
Vermarktung war für das Unternehmen zunächst erforderlich, den
Kundennutzen der bestehenden Funktionen abzufragen. Verknüpft mit einer
Analyse der Angebote der Wettbewerber ermöglicht dies, gezielte
Maßnahmen zur Verbesserung des Produktes abzuleiten.
Vorgehensweise und Methodik
Zur Erhebung des Kundennutzens und der Aufnahme von Kundenanforderungen
werden in der Praxis häufig die Conjoint Analyse und das Quality
Function Deployment (QFD) angewendet. Daneben zeigt sich gerade im
Bereich der Softwarekomponenten eine hohe Eignung des Kano-Modells.
Während
bei der Conjoint Analyse auf Basis eines Gesamturteils die
Teilnutzenwerte einzelner Funktionen bestimmt werden, werden bei QFD
die Kundenanforderungen direkt abgefragt und gewichtet. Da die
betrachteten Softwarekomponenten aus einer Vielzahl von zu bewertenden
Funktionen bestehen, wurde für die Nutzenbewertung aus Kundensicht, das
Kano-Modell gewählt. Das Kano-Modell geht davon aus, dass die Erfüllung
von Kundenanforderungen nicht bei allen Funktionen die
Kundenzufriedenheit im selben Maß erhöht. Vielmehr sind folgende drei
Klassen zu unterscheiden: - Basisanforderungen, deren
Erfüllung der Kunde voraussetzt. Sie führen bei Nichterfüllung zu
Unzufriedenheit, während eine Erfüllung der Anforderungen nicht zu
erhöhter Kundenzufriedenheit führt.
- Leistungsanforderungen, die
der Kunde in der Regel nennt. Bei diesen Anforderungen steigt die
Kundenzufriedenheit und –unzufriedenheit im selben Maß wie die
Erfüllung der Leistungsanforderungen ausgeprägt ist.
- Zusatzanforderungen, die der Kunden nicht erwartet und die daher bei Vorhandensein zu hoher Kundenzufriedenheit führen.
Um
eine Zuordnung der Funktionen zu den Anforderungsklassen aus Sicht des
Kunden vornehmen zu können, wurde beim vorliegenden Unternehmen ein
Fragebogen erstellt, der an bestehende und potenzielle Kunden verteilt
wurde. Auf Basis der Auswertung der beantworteten Fragebögen konnte für
jeden Befragten ein Anforderungsprofil erstellt werden (vgl. Abb. 1).
Abb. 1: Kano-Modell eines Independent Software VendorDas
Beispiel zeigt, dass für den Befragten Sicherheitsfunktionen und die
Skalierbarkeit Basisanforderungen darstellen, die dieser Kunde
voraussetzt. Die Stabilität und die Existenz von Schnittstellen zu C
stellen Leistungsanforderungen dar. Die Unterstützung einer
kontinuierlich hohen Dienstverfügbarkeit bedeutet für diesen Kunden
einen Zusatznutzen und erhöht dessen Zufriedenheit in hohem Maße. Zusätzlich
zu den Einzelprofilen wurden die Zuordnungen der Funktionen zu den drei
Anforderungsklassen kundengruppenspezifisch zusammengefaßt. Neben
kundengruppenspezifischen Unterschieden ist bei der Anwendung des
Kano-Modells zu beachten, dass sich die Zuordnung der Funktionen aus
Sicht des Kunden mit der Zeit ändert. Anforderungen, die heute noch
einen Zusatznutzen bieten, können nach einiger Zeit bereits zu den
Basisanforderungen gehören. Dies spielt insbesondere in Branchen mit
einem schnellen technologischen Wandel eine große Rolle.
Ergebnisse
Die Zuordnung der Funktionen zu den einzelnen Anforderungsklassen zeigt,
welche Schwerpunkte bei der Vermarktung und bei Kundengesprächen zu
setzen sind. Insbesondere Anforderungen, die einen Zusatznutzen bieten,
ermöglichen eine Differenzierung von Wettbewerbsprodukten.
Basisanforderungen weisen darauf hin, bei welchen Funktionen vorrangig
auf ein Kostenmanagement zu achten ist. Da eine Übererfüllung dieser
Funktionen keine Erhöhung der Kundenzufriedenheit hervorruft, ist auf
eine kostenoptimale Realisierung zu achten. Leistungsanforderungen sind
hingegen so gut wie möglich zu erfüllen. Zu achten ist dabei auf das
Kosten-/ Nutzenverhältnis. Unterstützung bietet hier zusätzlich der
Einsatz des Target Costing. Des Weiteren führt der Einsatz des
Kano-Modells und die Umsetzung der daraus abgeleiteten
Handlungsempfehlungen zu einer ressourcenorientierten
Produktentwicklung sowie zu einer Erhöhung der Kundenzufriedenheit mit
dem Ziel der Erhöhung der Umsätze und einer Steigerung des
Unternehmenswerts. LiteraturSeminare zum Thema nach oben
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