Meilensteinsystematik in der Auftragsabwicklung
[28.06.2007]
Unternehmen des Maschinenbaus müssen heute ständig wachsende
Kundenanforderungen bedienen und neben ihren klassischen Produkten auch
komplexe Kundenlösungen anbieten. Viele Maschinenbauunternehmen stehen
daher vor einem Wandel zum Anlagenbauer, da sie bereits große Teile
ihres Umsatzes über das Projektgeschäft generieren. Die Abwicklung von
Kundenaufträgen im Projektgeschäft ist dadurch charakterisiert, dass
nicht mehr einzelne Produkte sondern komplette Anlagen mit zahlreichen
Komponenten und teilweise komplexer Steuerungstechnik hergestellt und
ausgeliefert werden. Dies erfordert eine systematische, IT-gestützte
Koordination des gesamten Auftragsabwicklungsprozesses.
Da im Projektgeschäft nahezu jeder Auftrag kundenindividuell
bearbeitet wird, ist es äußerst schwierig eine mit der Serienproduktion
vergleichbare Standardisierung der Auftragsabwicklungsprozesse zu
erreichen. Zudem sind im Projektgeschäft meist vielfältige und
unternehmensübergreifende Organisationseinheiten eingebunden, die die
Anzahl der Schnittstellen im Auftragsdurchlauf erhöhen und koordiniert
werden müssen. Daraus resultiert in der Regel hoher Abstimmungsaufwand
und lange Auftragsdurchlaufzeiten, die sich negativ auf Lieferzeiten
und Liefertermintreue auswirken. Dennoch lassen sich auch im
Projektgeschäft die oft sehr komplexen Auftragsabwicklungsprozesse
standardisieren, ohne dass dabei die Möglichkeiten eingeschränkt
werden, auf Kundenanforderungen individuell einzugehen. In
der Praxis hat es sich bewährt, Auftragsabwicklungsprozesse in
sogenannte Meilensteine aufzuteilen. Mit einer Meilenstein-Systematik
lassen sich Abläufe im Auftragsdurchlauf transparent abbilden, exakt
aufeinander abstimmen und mit eindeutigen Kennzahlen hinterlegen. Das
TCW hat in zahlreichen Projekten bestehende Auftragsabwicklunsprozesse
analysiert, optimiert und mit einer Meilensteinsystematik versehen. Die
Meilensteine werden dabei bereits nach kurzer Zeit Bestandteil einer
einheitlichen Sprache im Unternehmen für alle am
Auftragsabwicklungsprozess beteiligten Organisationseinheiten. Die
Definition und Beschreibung dieser Meilensteine sollte wohl überlegt
stattfinden und möglichst an den Schnittstellen der am
Auftragsdurchlauf beteiligten Organisationseinheiten positioniert
werden. Typischerweise durchläuft ein Kundenauftrag dabei die
Organisationseinheiten Vertrieb, Konstruktion, Einkauf, Produktion und
Versand. Im Projektgeschäft müssen aufgrund des Projektcharakters eines
Kundenauftrags jedoch weitere Organisationseinheiten eingebunden
werden, die z.B. zusätzliche Komponenten liefern oder Engineering
Leistungen übernehmen. Insbesondere die Übergabe- und Rückgabepunkte an
diesen Schnittstellen sollten mit Meilensteinen versehen werden, in
denen die Ist- und Soll-Zeiten vermerkt werden. Dies erhöht die
Transparenz und ermöglicht eine verbesserte Überwachung des gesamten
Auftragsdurchlaufs. In der Praxis hat eine Vielzahl der
Unternehmen diese Meilensteinsystematik in ein IT-Tool zu überführt, in
welches alle am Auftragsdurchlauf beteiligten Organisationseinheiten
Einsicht nehmen können. Dabei stellt jeder verbindliche Meilenstein im
Auftragsdurchlauf einen definierten Zeitpunkt dar, der in den
entsprechenden IT-Systemen wie zum Beispiel SAP erfasst wird und
zugänglich sein muss. Viele Unternehmen sind dazu übergegangen, diese
Informationen Web-basiert darzustellen. Somit hat jeder Mitarbeiter
jederzeit die Möglichkeit in den Auftragsdurchlauf Einsicht zu nehmen
und den aktuellen Status zu ermitteln. Über zusätzliche
Benachrichtigungsoptionen im Sinne eines Frühwarnsystems können beim
Überschreiten von Soll-Durchlaufzeiten nachgelagerte oder beteiligte
Stellen zudem zeitnah informiert werden. Dies ermöglicht das zeitnahe
Eingreifen in den Auftragsdurchlauf um frühzeitig Lieferverzögerungen
zu verhindern. ErgebnisseMit Hilfe einer
Meilensteinsystematik, einheitlichen Sprachregelungen für diese
Meilensteine sowie klaren Regeln für die Informationsweitergabe können
die wesentlichen Leistungskenngrößen im Auftragsdurchlauf wie
Durchlaufzeiten, Bearbeitungszeiten und Liefertermintreue deutlich
verbessert werden. Gleichzeitig führt eine IT-gestützte
Meilensteinsystematik zu stabilen und effizienten Prozessen und
ermöglicht eine hohe Datenqualität. Dadurch lassen sich bei Maschinen-
und Anlagenbauern mit sehr individueller Fertigung die Durchlaufzeiten
um bis zu 25% reduzieren und die Liefertermintreue um bis 20% erhöhen.
Auch die Bearbeitungszeiten können signifikant reduziert werden. Literatur:
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