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Optimierung der Einkaufsaktivitäten bei einem Unternehmen der Fahrzeugindustrie
[27.09.2004]
Im Rahmen einer Neustrukturierung der Einkaufsaktivitäten eines
Fahrzeugherstellers konnten durch die Einführung moderner
Einkaufsmethoden Potenziale im zweistelligen Prozentbereich gehoben
werden. Inhalte des Restrukturierungsprojekts waren neben der
Identifikation von Potenzialquellen zur Reduzierung der Einstandspreise
die Definition einer neuen Materialgruppenstruktur sowie die
organisatorische Erneuerung des Einkaufsbereichs.
AusgangssituationHintergrund der Aktivitäten war ein
Umsatzanstieg, den das Unternehmen in den letzten Jahren zu verzeichnen
hatte. Die Gesellschaft wandelte sich in dieser Zeit von einem eher
einzelkundenorientierten Unternehmen, mit Schwerpunkt auf die
kundenindividuelle Gestaltung einzelner Fahrzeuge, zu einem Anbieter
von Kleinserien. Grundlage des Umsatzanstiegs ist die auf die Erfüllung
individueller Kundenwünsche ausgerichtete Projektierung und
Konstruktion sowie eine hohe Flexibilität des Unternehmens hinsichtlich
anspruchsvoller Durchlaufzeitvorgaben in der Produktion. Vor dem
Hintergrund des gestiegenen Beschaffungsvolumens und der
Flexibilitätsanforderungen, waren erhebliche Komplexitätskosten
angefallen, die durch einen weiteren Ausbau der Mitarbeiterkapazitäten
nicht mehr beherrschbar waren. Die Aufgabenstellung des Projekts zur
Reorganisation der Einkaufsaktivitäten beinhaltete neben der
Identifikation von Möglichkeiten zur Reduzierung der Einstandspreise
eine organisatorische Anpassung hinsichtlich einer Trennung von
strategischen und operativen Einkaufsaufgaben, die Strukturierung des
Beschaffungsvolumens und die entsprechende Abbildung im IT-System des
Unternehmens, die Neugestaltung der Einkaufsprozesse und die
Optimierung der Schnittstellen des Einkaufs mit den angrenzenden
Bereichen sowie die Einführung moderner Einkaufsmethoden. VorgehensweiseIm
Rahmen einer detaillierten Analyse wurden ergebnisrelevante Aspekte der
Einkaufsaktivitäten untersucht. Hierzu gehörten vor allem die
strategischen Einkaufsaktivitäten sowie die prozessuale und
organisatorische Einbindung in die Gesamtorganisation. Aufbauend auf
den Analyseergebnissen wurden die Projektmodule der
Einkaufspotenzialanalyse und der Prozess- und Organisationsoptimierung
gebildet. Im Rahmen der Einkaufspotenzialanalyse wurde zunächst das
Beschaffungsvolumen in einer Materialgruppenstruktur in bis zu sieben
Hierarchieebenen geordnet und entsprechend im Produktionsplanungssystem
hinterlegt. Aufbauend auf den gebildeten Materialgruppen wurden für die
erste und zweite Hierarchieebene detaillierte Bewertungen der
Beschaffungsgüter und Beschaffungsmärkte hinsichtlich der
Einkaufsmacht, des Versorgungsrisikos sowie der
Lieferantenentwicklungsfähigkeit erstellt. Die Bewertungsergebnisse
flossen in die Erarbeitung von spezifischen Materialgruppenstrategien
ein. Die Materialgruppenteams waren interdisziplinär aus Mitarbeitern
des Einkaufs, aber auch der Produktion, des Qualitätsmanagements und
vor allem der Projektierung und Konstruktion besetzt. Hierbei wurde ein
Umdenken aller beteiligten Mitarbeiter erzielt, das den Einkaufsbereich
von einem Dienstleister der Produktion zu einem eigenständigen
Wertgenerator im Unternehmen aufbaute. Insbesondere die Entwicklung und
Anpassung moderner Einkaufsmethoden sowie die Erstellung von
einkaufsspezifischen Forecasts im Anlagenbau, die Durchführung von
Lieferantenworkshops oder der Aufbau von Datenbanken und
Informationssystemen zur Messung der Lieferantenleistung konnte so
schnell im Unternehmen etabliert werden. Im Rahmen der Prozess- und
Organisationsanalyse wurde die Trennung zwischen strategischen und
operativen Einkaufsaufgaben organisatorisch vollzogen. Vor dem
Hintergrund der neu angelegten Materialgruppenstruktur war es möglich,
Expertenwissen, hinsichtlich der Verfolgung der einkaufsrelevanten
Ziele auf einzelne Materialgruppen abgegrenzt, zu bündeln. Weiterhin
wurde die neue Organisationsstruktur durch Prozessworkshops mit den
angrenzenden Bereichen nachhaltig als Ablauforganisation eingebunden.
Reibungspunkte und Prozesshürden konnten hierbei in großem Umfang
reduziert werden. Zur Absicherung der Ergebnisse wurde ein System zum
Einkaufscontrolling in Form der Balanced Scorecard entwickelt, das in
eine monatliche Berichtsstruktur und Berichtshierarchie im Unternehmen
eingebunden ist. ErgebnisseDie wesentlichen
Ergebnisse des Einkaufsprojekts lassen sich in der Realisierung von
Einstandspreiseinsparungen größer 8%, sowie einer wesentlichen
Ausweitung der Einkaufsaktivitäten ohne zusätzlichen Personalaufbau
zusammenfassen. Bezüglich der Nachhaltigkeit der Maßnahmen und der
Einführung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses im Einkauf
kann konstatiert werden, dass sowohl das monatliche Reporting im Rahmen
des Einkaufscontrollings als auch die Ausweitung der Informationsdichte
der strategischen Einkäufer hinsichtlich Lieferantenleistung und
Qualitätskennzahlen einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit
des Unternehmens leisten werden. Seminarhinweis:Weiterführende Literatur: nach oben
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