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Preispolitik bei Dienstleistungen: Oft Chaos statt Konzept
[21.12.1999]
Dienstleistungen sind immaterielle Güter. Dadurch sind Leistung und
Festlegung eines optimalen Preises sowohl für Anbieter als auch Kunden
schwer ermittelbar. Wer als Unternehmen im Geschäft bleiben will, muss
sich Gedanken über seine Preispolitik machen. Gefordert sind Konzepte,
bei denen der Preis der Serviceleistung dem Nutzen aus Kundensicht
entspricht.
Anders als Sachgüter sind Dienstleistungen weder zu sehen noch zu
greifen. Der Kunde ist deshalb kaum in der Lage, nachzuvollziehen, ob
der Preis angemessen ist oder nicht. Dies führt häufig zu Zweifeln und
Mißtrauen gegenüber dem Anbieter. So ergab eine Studie auf dem
Bankensektor, dass 49 Prozent der Kunden die Bankgebühren als
unangemessen hoch ansehen. Im Rahmen einer landesweiten Befragung in
den U.S.A. kam man zu dem Ergebnis, dass fast zwei Drittel eine stärkere
staatliche Aufsicht von Autoversicherern forderten, um faire Preise zu
gewährleisten. Aber auch bei den Dienstleistern ist die Unsicherheit
groß. Häufig wissen die Unternehmen gar nicht, was sie selbst die
Serviceleistung kostet und wieviel der Kunde bereit ist zu zahlen. Preispolitische Besonderheiten beachtenOffensichtlich
brauchen Serviceanbieter neue Methoden der Preisgestaltung.
Hauptursache des derzeitigen Mißmanagements ist die Tatsache, dass die
Besonderheiten von Dienstleistungen ignoriert werden. Die besonderen
Anforderungen ergeben sich aus der Immaterialität, Nichtlagerbarkeit,
Nichtübertragbarkeit von einer Person auf eine andere sowie den
Spezifika bei den Kosten.
Innovative Instrumente einsetzen
Es zeigt sich, dass die Festlegung eines optimalen Preises bei
Dienstleistungen viel schwieriger als bei Produkten ist. Klassische
Methoden wie das ‘Kosten-Plus-Verfahren‘, bei dem pauschal auf die
Kosten ein fester Gewinnzuschlag angesetzt wird, scheitern oft schon
daran, dass die eigenen Kosten gar nicht bekannt sind. Eine Methode
stellt die Durchführung einer Expertenbefragung dar. Diese Experten
können sowohl aus dem Unternehmen kommen als auch Externe sein.
Beispielsweise zählen das Management sowie Mitarbeiter aus dem eigenen
Außendienst oder dem Handel dazu. Gerade bei Dienstleistungen, die von
Industrieunternehmen angeboten werden, ist es sinnvoll, den
Produktvertrieb einzubinden, da Service und Produkt häufig kombiniert
angeboten werden. Entscheidend ist, dass die Experten sowohl umfassendes
Know-how über den Kunden als auch über die Serviceleistung besitzen.
Sie schätzen ab, bei welchem Preis mit welcher Absatzmenge der
Dienstleistung zu rechnen ist. Auf Basis dieser Ergebnisse läßt sich
schnell und kostengünstig eine Preis-Absatz-Funktion ermitteln. Ein
weiteres Instrument sind direkte Kundenbefragungen, die aus dem
Konsumgüterbereich bereits hinlänglich bekannt sind. Die Erfahrung
zeigt jedoch, dass die genannten Preisvorstellungen nicht mit der
tatsächlichen Preisbereitschaft übereinstimmen. Aus Image-Gründen
nennen die Probanden oft überhöhte Preise. Die Interpretation der
Ergebnisse bei Dienstleistungen ist darüber hinaus deshalb als
außerordentlich kritisch einzustufen, da Kunden nicht abschätzen
können, wie hoch die ‘Produktionskosten‘ liegen. Durch den fehlenden
Vergleich fallen auch die Preisschätzungen sehr ungenau aus. Kunden
wollen in der Regel beste Leistung zu niedrigsten Preisen. Dies gilt
auch und ganz besonders für Dienstleistungen. In der Realität finden
jedoch immer Preis-Nutzen-Abwägungen statt. Der Kunde ist bereit,
weniger oder schlechtere Leistung in Kauf zu nehmen, wenn der Preis
niedriger ist. Mit Hilfe von Kartenabfragen wird bei der Conjoint
Analyse bestimmt, für welche Leistungskomponente der Kunde wieviel
zahlen möchte. Der Serviceanbieter erfährt so, wieviel ein
Industriekunden bereit ist mehr zu bezahlen, wenn die Hotline des
Anlagenherstellers 24 Stunden und nicht nur von 8 bis 17 Uhr montags
bis freitags besetzt ist. Die vierte Möglichkeit einer optimalen
Preispolitik greift dann, wenn der Nutzen einer Dienstleistung direkt
meßbar ist. Bietet ein Maschinenbauer an, seine Ersatzteillieferzeiten
gegen Aufpreis von zwei Arbeitstagen auf einen zu verkürzen (z. B.
Expreß), so kann der Kunden berechnen, wie hoch die Einsparung an
Maschinenstillstandszeiten voraussichtlich sein wird. Gerade im Service
ist es jedoch meist problematisch, Kosten und Nutzen eindeutig zu
quantifizieren. Leitlinien definierenInsbesondere
bei Serviceleistungen versagen die klassischen kostenorientierten
Verfahren zur Preisbestimmung. Die vier dargestellten Instrumente
Expertenschätzung, direkt Kundenbefragung, Conjoint Analyse und
Preisbildung auf Basis von Wirtschaftlichkeitsdaten zeichnen sich
schließlich durch folgende Leitlinien aus:
- Nachfrageorientierte Preisbildung,
- Transparenz von Kosten/Preis und Serviceleistung für den Kunden und
- Rechtfertigung der Serviceleistung aus eigenen Kosten-Nutzen-Aspekten, d.h. jede Leistung muss sich für das Unternehmen rechnen.
Literatur und Informationen zu diesem Thema erhalten Sie über das TCW Transfer-Centrum GmbH. nach oben
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