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Risikomanagement bei Lieferantenwechsel

[26.04.2007]

Der Wechsel eines Lieferanten bietet nicht nur Chancen, sondern bringt auch Risiken mit sich, besonders wenn eine Ausdehnung der Beschaffungsaktivitäten auf den internationalen Markt angestrebt ist. In vielen Unternehmen herrscht Unklarheit, wie diese Risiken identifiziert und beherrscht werden können. Im Rahmen eines Arbeitskreises hat das TCW zusammen mit mehreren Unternehmen Lösungsansätze entwickelt.

Für den Wechsel eines Lieferanten kann es eine Vielzahl von Gründen geben: Zum einen zwingt der wachsende Kostendruck die Unternehmen, im Einkauf Einsparungspotenziale zu realisieren, z.B. durch Global Sourcing. Des Weiteren bietet ein Lieferantenwechsel die Möglichkeit, Abhängigkeitsverhältnisse zu einem Lieferanten zu entschärfen. Ebenso können anhaltende Qualitätsprobleme beim Lieferanten einen Wechsel nötig machen. Eine geringe Lieferzuverlässigkeit des Lieferanten und daraus entstehende Versorgungsunsicherheiten spielen weiterhin eine Rolle. Ein Extremfall stellt die Insolvenz eines Lieferanten dar, der die Neuauswahl eines Lieferanten unausweichlich macht.

Die Risiken eines Lieferantenwechsels stellen sich vielfältig dar. Preis-, Qualitäts-, Umwelt-, Lieferzeit- und Währungsrisiken sind nur einige Risiken, die ein neuer Lieferant mit sich bringen kann. Der Wechsel eines Lieferanten – sowohl auf dem lokalen als auch insbesondere dem globalen Beschaffungsmarkt – stellt  immer eine gewisse Unsicherheit dar, die die Identifikation, die Analyse und Bewertung sowie die Handhabung und Überwachung von Wechselrisiken nötig macht. Eine detaillierte Gegenüberstellung der Chancen und Risiken eines Wechsels ist notwendig, um eine kostspielige, aber letztendlich unrentable Umstellung der Lieferanten zu vermeiden.

In vielen Unternehmen liegen was das Risikomanagement bei Lieferantenwechsel angeht Defizite vor. Die Risiken eines Wechsels sind oft weitgehend unbekannt und werden, da ein Konzept zur Identifikation der Risiken fehlt, bei der Neuauswahl des Lieferanten nur unzureichend berücksichtigt. Durch die fehlende Identifikation ist eine abgestimmte Handhabung nicht möglich. Besonders was die Ausweitung der Beschaffungstätigkeiten auf  internationale Lieferanten betrifft, herrscht aufgrund mangelnder Erfahrung im Global Sourcing Unkenntnis über Methoden und Instrumente des Risikomanagements.

Zur Beseitigung dieser Defizite haben im Rahmen eines Arbeitskreises mehrere Unternehmen zusammen mit Mitarbeitern des TCW in Workshops Konzepte für das Risikomanagement beim Lieferantenwechsel erarbeitet. Es wurde dazu eine Vorgehensweise mit mehreren Schritten entwickelt, die beim Lieferantenwechsel zur Berücksichtigung der verschiedenen Risiken durchzuführen sind. Zunächst wurde dabei eine Checkliste zur Bewertung der Wechselbarrieren des auszutauschenden Lieferanten aufgestellt. Im nächsten Schritt liegt das Augenmerk auf der Auswahl neuer Lieferanten und der Identifikation und Bewertung der damit verbundenen Risiken. Hierzu wurde ein Leitfaden erstellt, der zur systematischen Erfassung und Bewertung der Wechselrisiken dient und in die Auditierung bei der Neuauswahl der Lieferanten integriert werden kann. Insbesondere wurden die Risikoaspekte des Global Sourcing diskutiert und miteinbezogen. Nach der Erfassung werden die Risiken mit Hilfe des Leitfadens bewertet, sowohl was die Auswirkungen als auch die Handhabbarkeit angeht. Es steht damit ein Beurteilungsinstrument zur Verfügung, mit Hilfe dessen bewertet werden kann, welche Chancen und Risiken der neue Lieferantenwechsel birgt und welches damit die Entscheidung für oder gegen einen Wechsel vereinfacht.

Abschließend ist zu erwähnen, dass nicht nur der Lieferantenwechsel, sondern der gesamte Beschaffungsprozess mit einem Risikomanagementsystem hinterlegt werden sollte. Nur so sind die Risiken in der Beschaffung ausreichend zu beherrschen. Hierzu ist ein systematisches und einheitliches Vorgehen, das alle beschaffungsrelevanten Aktivitäten im In- und Ausland umfasst, beim Risikomanagementprozess zu definieren und zu implementieren. Aufbauend auf der Risikoidentifikation ist es notwendig, die Einzelrisiken unter Berücksichtigung von Eintrittswahrscheinlichkeiten zu bewerten und Risikobeherrschungsmaßnahmen zur Absicherung zu definieren. Die Effizienz und Eignung dieser Maßnahmen muss in einem beschaffungsorientierten Risikocontrolling laufend dokumentiert, überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Weiterführende Literatur


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19. MMK
19. Münchner Management Kolloquium
Mehr unter:
www.management-kolloquium.de
Literatur

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Leitfaden zur Umsetzung eines Risikomanagement-Systems für die wertorientierte Steuerung von Unternehmen

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Leitfaden zur Einbindung der Beschaffungsmärkte in den Produktentwicklungsprozess

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