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Risikomanagement in der Beschaffung
[18.12.2003]
Die steigende Anzahl von Insolvenzen und sich ändernde gesetzliche
Rahmenbedingungen zeigen, dass ein leistungswirtschaftliches
Risikomanagement an Bedeutung gewinnt. Gerade der Beschaffungsprozess
von Unternehmen ist vielen internen und externen Risikofaktoren
ausgesetzt, die den wirtschaftlichen Erfolg und unter Umständen sogar
die Existenz gefährden können. Zum einen ist das Einkaufsvolumen
gemessen am Umsatz stetig gestiegen. Zum anderen zeigt die Verlagerung
von Entwicklungs- und Führungsverantwortung auf Zulieferer die
Wichtigkeit, dass auch Risikoaspekte bei der Lieferantenbeurteilung und
–auswahl eine immer bedeutendere Rolle spielen.
Die Nutzung von weltweiten Beschaffungsmärkten bringt zwar
Kostenvorteile, aber die Risiken, denen das Unternehmen bei Global
Sourcing Aktivitäten ausgesetzt ist, erhöhen sich sehr stark
(Währungsrisiken, Lieferrisiken, Qualitätsrisiken, Insolvenzrisiken,
Local Content, etc.). Ein weiterer Trend, der die Wichtigkeit eines
Risikomanagements in der Beschaffung verdeutlicht, wird durch den
Gesetzgeber maßgeblich beeinflusst. Basel II beispielsweise ist nur der
erste Schritt, auch leistungswirtschaftliche Risiken zu bewerten und
transparent zu machen. Allerdings stellt das Eingehen von
Beschaffungsrisiken an sich kein Problem dar (teilweise ist ohne Risiko
kein Gewinn erzielbar), sondern vielmehr das unzureichende und
unkontrollierte Vorhandensein bzw. Beherrschen von Risiken. Bei
den meisten Unternehmen wird unter Lieferantenmanagement die
Gestaltung, Lenkung und Entwicklung von Lieferantenbeziehungen
verstanden, ohne dabei Beschaffungsrisiken näher zu betrachten. Unter
Risiko versteht man die Gefahr, dass Ereignisse ein Unternehmen daran
hindern, seine Ziele zu erreichen bzw. seine Strategien erfolgreich
umzusetzen. Somit umfasst Risikomanagement alle notwendigen Maßnahmen
zur Identifikation, Bewertung und Beherrschung von Risiken. Der
Hauptfokus beim Lieferantenmanagement liegt dabei auf dem Management
der Lieferantenbasis, der Lieferantenbewertung, -entwicklung und
-integration – Risiken in der Beschaffung werden lediglich unter dem
Versorgungsrisiko subsumiert. Dieser Ansatz greift aber zu kurz, da das
Versorgungsrisiko meistens materialgruppenorientiert betrachtet wird
und lieferantenbezogene Risiken, wenn überhaupt, nur unzureichend
bewertet werden. Die steigende Anzahl von Insolvenzen und die Erfüllung
von Local Content Anforderungen sind zwei Beispiele dafür, das
lieferanten- und marktbezogene Risiken oft nur reaktiv gehandhabt
werden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig herauszustellen, dass die
Risikoarten und das Ausmaß des Risikoeintritts stark von der
Sourcing-Strategie abhängt. Wegen der Wichtigkeit von
Beschaffungsprozessen ist es für Unternehmen lebenswichtig geworden,
Risiken durch ein Frühwarnsystem rechtzeitig zu erkennen, da diese sich
bei deren Realisierung negativ auf die Erreichung vorgegebener Ziele
(z.B. Bestandsreduzierung durch Kanban) oder auf die Umsetzung von
Beschaffungsstrategien (z.B. Einstandspreisreduzierung durch Global
Sourcing) auswirken würden. Aus diesem Grund ist ein effizientes
Risiko-Management-System in der Beschaffung zu implementieren, um
potentielle Beschaffungsrisiken zu identifizieren, zu bewerten und
geeignete Handhabungsstrategien zu definieren. Bei der
Konzepterstellung und Implementierung eines Risikomanagement-Systems in
der Beschaffung sind zahlreiche Anforderungen zu erfüllen. Zum einen
muss ein systematisches und einheitliches Vorgehen, das alle
beschaffungsrelevanten Aktivitäten im In- und Ausland umfasst, beim
Risikomanagementprozess definiert und implementiert werden.
Grundvoraussetzung ist das frühzeitige und vollständige Erkennen aller
wesentlichen Beschaffungsrisiken. Zum anderen muss aber auch die
Risikoaffinität, d.h. die unternehmensindividuelle Festlegung der
Risikobereitschaft, durch eine angemessene Risikopolitik definiert
werden. Aufbauend auf der Risikoidentifikation ist es notwendig, die
Einzelrisiken unter Berücksichtigung von Eintrittswahrscheinlichkeiten
zu bewerten und Risikobeherrschungsmaßnahmen zur Absicherung zu
definieren. Die Effizienz und Eignung dieser Maßnahmen muss in einem
beschaffungsorientiertem Risikocontrolling laufend dokumentiert,
überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dieses Vorgehen muss
aber immer im Zusammenhang mit der Wirtschaftlichkeit der Handhabung
betrachtet werden. Ein beschaffungsorientiertes
Risikomanagement-System kann aufgrund der Beurteilungssystematik oder
durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess laufend optimiert
werden, aber die Realität mit der Gesamtheit ihrer Störgrößen kann
dennoch bewirken, dass sich Risiken realisieren und Schäden entstehen.
Aus diesem Grund müssen Unternehmen trotz allem auf solche Fälle
vorbereitet sein (z.B. durch Notfallpläne), um die Gefahr zu vermeiden,
dass ein funktionierendes Risikomanagement-System nicht durch ein
Krisenmanagement-System ersetzt wird. Weiterführende Literatur zu dem Themengebiet:TCW-Fachseminare zum Thema: nach oben
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Literatur
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Risikomanagement Leitfaden zur Umsetzung eines Risikomanagement-Systems für die wertorientierte Steuerung von Unternehmen  Leitfaden Risikomanagement |
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