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Servicemanagement - Agieren statt Reagieren
[03.05.2000]
Da die Differenzierungsmöglichkeiten durch das materielle Produkt
weitgehend ausgereizt und die Rationalisierungsmöglichkeiten in den
Unternehmen in hohem Maße ausgeschöpft sind, ermöglicht ein stärker
individualisiertes Produkt mit Serviceleistungen eine Steigerung des
Kundennutzens, sowie eine Verbesserung der Kundenloyalität. Neben dem
Kernprodukt und einem selbstverständliche Basisservice bietet ein am
Kernprodukt ausgerichteter Zusatzservice, der dem Kunden einen von ihm
noch nicht wahrgenommenen Sachverhalt und dessen Handhabung aufzeigt,
die Chance einer erfolgreichen Leistungsergänzung. Neben den
produktbegleitenden Serviceumfängen gewinnen aber auch die
Serviceleistungen der Vor- und Nachkaufphase eines Produktes an
Bedeutung. Dass der Begriff der ‘Servicewüste Deutschland‘ nicht
pauschal auf jede Branche angewendet werden kann, macht das Angebot der
Zeppelin Baumaschinen GmbH deutlich. Clem Spaubeek, Leiter Zeppelin
Service: ‘Das Zeppelin Service Konzept ist kompromißlos auf der
Kundenorientierung aufgebaut. Es ist das erklärte Ziel unserer gesamten
Service-Mannschaft, die Erwartungen der Kunden nicht nur zu erfüllen,
sondern sie zu übertreffen. Der Qualitätsmarathon hat keine Ziellinie -
es geht immer weiter.‘
Das Service-Konzept
Unternehmen vollziehen den Wandel von der produkt- zur serviceorientierten Organisation nur schwer. Dabei gilt es, aus einer Angebots-, Unternehmens- und Potentialanalyse
kurzfristige Aktionen und mittel- sowie langfristige Ziele abzuleiten.
Die Produktanalyse untersucht Produkt/Leistung, die Marktsegmente, die
Kunden sowie die Vertriebswege. Die Unternehmensanalyse hinterfragt die
Stärken und Schwächen, nimmt eine Wettbewerbsdifferenzierung vor und
zeigt erste Defizite auf. Die Defizite liegen zumeist im fehlenden
Bewußtsein, dass Service eine aktive Marktleistung darstellt, und in der
Unterschätzung der Imagewirkung des Service als Differenzierungsmerkmal
zum Wettbewerber. Kostenerhebung und Kontrolle scheinen für den
Servicebereich meist obsolet zu sein. Service als strategischer
Erfolgsfaktor wird verkannt, ebenso dass Serviceangebot eine
Führungsaufgabe darstellt. Hierauf setzt das Service-Konzept auf. Das
innovative Service-Konzept beleuchtet die Wertschöpfungskette neu und
richtet die Geschäftsprozesse auf die neue Servicestrategie aus. Es
beinhaltet die strategische Orientierung, die organisatorische
Gestaltung und die Methodenbausteine. Bei der Firma
Bosch-Elektrowerkzeuge wurden diese Defizite erkannt und gehandelt.
Matthias Knofe, Verkaufsleiter Bosch-Elektrowerkzeuge: ‘Für uns hat das
Thema Service grundlegende Bedeutung und ist kein Marketing-Gimmick.
Man darf die Bedeutung von Kundendienst und Service für die
Kaufentscheidung keinesfalls unterschätzen. Ein umfassender Service ist
genauso wichtig wie ein qualitativ hochwertiges Produkt.‘ Das
Service-Konzept der Robert Bosch GmbH garantiert seit Juni 1998 die
Reparatur eines defekten Elektrowerkzeuges innerhalb von fünf
Arbeitstagen. Sollte die Reparatur länger dauern, kostet sie den Kunden
keinen Pfennig.
Strategische Orientierung im Servicebereich
Service ist zuvorkommendes Handeln in der Absicht, das dem Kunden das Leben
angenehmer, aufwands- und kostengünstiger zu gestalten. Für Unternehmen
wird es zunehmend eine Chance sein, durch kundenspezifische
Serviceleistungen die Beziehung zu den Kunden langfristig zu
stabilisieren und den geschäftlichen Erfolg, das Wachstum und den
Unternehmenswert zu sichern. Kundenabwanderungen können die Gewinne
weit mehr beeinflussen als Faktoren wie der Marktanteil oder die
Stückkosten. Kostensenkungsstrategien bewirken einen Zeitgewinn durch
kurzfristige Kostenreduzierung - allerdings nur eine kurzfristige
Ergebnisverbesserung - und sind keine Garantie für einen langfristigen
Erfolg. Ebenso wenig eignen sich Personalfreisetzungen, um langfristig
die Rentabilität zu verbessern. Wirtschaftlich weit mehr rentabler ist
es, in die Kundenbindung durch Serviceleistungen zu investieren. Als
Wachstumsstrategie steht die Strategie der Kundenbindung im Mittelpunkt
der Unternehmen. Sie ist typisch für gesättigte Märkte, wobei der
Erfolgsmaßstab die Kundentreuerate ist. Je länger ein Unternehmen einen
Kunden hält, desto mehr Geld kann es durch ihn verdienen. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass hohe und dauerhafte Kundenloyalität - die abhängig
ist von der Kundenzufriedenheit - Produkte und Dienstleistungen
erfordert, die sich an unbewußten Ansprüchen der Kunden orientieren und
zum Teil zusammen mit den Kunden entwickelt werden. Organisatorische Gestaltung
Die Servicestrategie gilt es durch eine geeignete organisatorische
Implementierung und operative Umsetzung zu festigen. Folgt man dem
Benchmarking im Servicebereich, so ist dieser Sektor vorwiegend im
Geschäftsbereich/Profitcenter oder aber als Hauptabteilung im
Vorstandsbereich Technik angesiedelt. Neben der organisatorischen
Einbindung als Profitcenter ist der Servicebereich auch als Costcenter
gestaltbar. Betrachtet man die interne Organisation des Service, so
reicht die Struktur über die Bereiche Ersatzteile, Projekte und
Monteure bis hin zum technischen Kundendienst und Technik-Support. Die
Individualität der angebotenen Serviceleistungen erfordert aber auch
neue und innovative organisatorische Gestaltungsoptionen.
Serviceorganisationen mit interfunktionaler Flexibilität sind die
strukturelle Umsetzung einer kreativen Servicestrategie. So ermöglichen
Callcenter sowohl eine individuelle Erfüllung der Kundenanforderungen,
als auch automatisierte und kostengünstige Lösungen, die rund um die
Uhr zur Verfügung stehen. Im Rahmen der Konzentration auf
Kernkompetenzen stellt sich auch im Servicebereich die Frage nach einem
In- oder Outsourcing von Serviceleistungen. Servicenetzwerke spielen
dabei eine nicht weniger wichtige Rolle, insbesondere wenn die
Unternehmen Serviceleistungen anbieten wollen, ihnen aber die
notwendige Kernkompetenz fehlt. Serviceleistungen werden in
Kooperationen und Partnerschaften ‘eingekauft‘. Die Serviceorganisation
von IBM Deutschland wurde mit dem Ziel, von einem Prozess- auf ein
Projektmanagement umzustellen, neu strukturiert. Peter Eisenbach,
Direktor Product Support Services IBM: ‘Ein Kunde hat nicht nur
IBM-Systeme, sondern auch Systeme von anderen Herstellern. Und er war
unzufrieden damit, dass er immer wieder mit unterschiedlichen Stellen
verhandeln musste, dass er unterschiedliche Service Levels zu beachten
hatte. Er wollte alles aus einer Hand. Für uns war das eine große
Herausforderung. Denn wenn wir den gleichen Commitment Level für alle
vorhandenen Systeme garantieren wollen, mussten wir unsere bisherige
Strategie ändern.‘ Der Global Service der IBM beinhaltet heute den
Professional Service (Systemintegration und Outsourcing), den Product
Support Service (früher Technischer Außendienst) und den
e-business-Service (Internet). Die organisatorischen Veränderungen im
Servicebereich stellen aber auch neue Anforderungen an die
Servicemitarbeiter. Diese haben sowohl den Technischen Anforderungen
Genüge zu leisten, als auch als Verkäufer und Berater sowie als
Repräsentanten mit gewinnender Persönlichkeit aufzutreten. Fachwissen,
technische Kompetenz, Produkt- und Anlagenkenntnisse sind ebenso
Voraussetzungen wie Kommunikationssicherheit, Rhetorik,
Argumentationsgeschick und Einfühlungsvermögen. Die Persönlichkeit der
Servicemitarbeiter zeichnet sich vor allem durch Zuverlässigkeit,
Korrektheit, Selbstbewußtsein, Offenheit und Konsequenz aus. Damit
gehen die Anforderungen an die Servicemitarbeiter weit über die
fachliche Kompetenz hinaus und erfordern eine bereichsübergreifende
Qualifikation. Damit erhalten entsprechende Qualifizierungs- und
Qualifikationsprogramme für serviceorientierte Unternehmen große
Bedeutung. Erst serviceorientierte Mitarbeiter sichern den
Unternehmenserfolg im Servicebereich.
Methodenbausteine des Servicebereichs
Den Servicebereich gilt es durch geeignete Methodenbausteine zu
unterstützen. Dabei steht vor allem die Umsetzung der Servicestrategie
in dem gesamten Geschäftsprozess eines Unternehmens im Vordergrund. So
sind beispielsweise die Service-Innovation und das Service-Engineering
zu Beginn des Lebenszyklus zu nennen, die durch Marktforschungen und
Kundenbefragungen systematisch aufbereitbar sind. Die
Kundenanforderungen bestimmen die innovativen Serviceleistungen und
sind in ein Service-Engineering umzusetzen. Aufgrund der Kundenwünsche
lassen sich zielgerichtete Service-Optionen bestimmen und eine
selektive Auswahl der zu forcierenden Markt-Service-Beziehungen
treffen. Ähnlich der Produktion materieller Güter unterstützt ein Total
Quality Service den gesamten Lebenszyklus einer Serviceleistung.
Methoden wie die Critical Incident Technique oder die Gap-Analyse
schaffen hierfür die Basis für eine qualitative und quantitative
Erfassung von Servicequalität. Einen weiteren Methodenbaustein stellt
das Service-Controlling dar. Da die Serviceleistung oftmals erst beim
Kunden und mit dem Kunden entwickelt wird, ist es relativ schwierig,
Serviceleistungen mit einem standardisierten Konzept des
Service-Controlling zu bewerten und zu steuern. Es kann allerdings
durch Methoden einer Kundenzufriedenheitsmessung sowie einer
Darstellung der Komplexitätskosten von Serviceleistungen unterstützt
werden. Das Service-Controlling hat somit potential-, prozess- und
ergebnisorientierte Perspektiven zu berücksichtigen und ist in ein
umfassendes Konzept zu integrieren. Das Benchmarking und das damit
verbundene Lernen von anderen stellt ein weiteres Tool dar, um der
Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein und sich Wettbewerbsvorteile zu
sichern. So lassen sich beispielsweise Kennzahlen wie Umsatz pro
Servicemitarbeiter oder die maximale Durchlaufzeit komplexer Aufträge
vergleichen, ebenso wie die interne Organisation des Servicebereichs,
die Schnittstellen zum Neugeschäft und der Beginn der
Serviceaktivitäten, die z. B. nach Ablauf der Garantiezeit oder mit
Montage beim Kunden in Kraft treten. Wie die Qualität des Service
gemessen werden kann, zeigt das Controlling Konzept der Zeppelin
Baumaschinen GmbH. Jeder Kunde wird bei Neukauf einer CAT-Maschine über
die Qualität des Produktes und die Qualität der Zeppelinleistungen
befragt. Alle zwei Jahre wird die Zufriedenheit mit dem Zeppelin
Service bei 3000 Kunden ermittelt. Die Befragung allein reicht aber
nicht aus. Es müssen Handlungsoptionen zur Qualitätsverbesserung
erarbeitet und umgesetzt werden. Aufbauend auf den Ergebnissen der
Kundenbefragung wurde deshalb 1997 die Zeppelin-Struktur der
Niederlassungen in Vertriebs- und Servicezentren entwickelt. Zusätzlich
wurde die Ersatzteillagerung zentralisiert, wodurch das Versprechen,
98% der Ersatzteile in 24 h zu liefern, eingehalten werden und die
Lagerkosten gesenkt werden konnten.
Weiterführende Literatur zum Thema:
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Literatur
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Service Leitfaden zur Erschließung von Differenzierungspotenzialen im Wettbewerb  Leitfaden Service |
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Literatur
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Kundenorientierung Einführung eines Beschwerdemanagements und Ausrichtung von Vertrieb, F&E, Produktion und Mitarbeitern auf Kundenbedürfnisse  Leitfaden Kundenorientierung |
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Literatur
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Das agile Unternehmen: Kostenführerschaft und Service Tagungsband des Münchner Management Kolloquiums 1998  Buch Agile Unternehmen |
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