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Standortplanung in internationalen Produktionsnetzwerken

[29.07.1999]

Foto: Marco2811 / fotolia.com

Die fortschreitende Globalisierung der unternehmerischen Umwelt legt den Unternehmen einen Handlungsdruck auf, der zu einer verstärkten international orientierten Netzwerkbildung führt. Dies gilt insbesondere auch für mittelständische Unternehmen. Eine geographische Neupositionierung birgt allerdings ein hohes Risikopotential, so dass eine effiziente Standortplanung unerläßlich ist.

Der Abbau von Handelshemmnissen, die fortschreitenden wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischen Reformen osteuropäischer Länder und die wirtschaftliche Öffnung der mittelosteuropäischen Staaten ermöglichen es den Global Playern unter den Unternehmen, die sich bietenden Chancen zu ihrem Vorteil zu nutzen und ihre eigene Wettbewerbsposition nachhaltig zu verbessern.

Die Globalisierung birgt aber auch Risiken. Währungseinflüsse, politische und soziale Umbrüche sowie Inflationsrisiken sind die Gefahren, denen international tätige Unternehmen begegnen müssen. Eine systematische Vorgehensweise bei der Planung und Durchführung von Direktinvestitionen im Ausland sowie leistungsfähige Instrumente zur Abschätzung und Beherrschung der damit verbundenen Risiken sind somit unerläßlich. Dies gilt gleichermaßen für den Kauf von Unternehmen oder die Errichtung von Betriebsstätten im Ausland wie auch den Erwerb von Beteiligungen.

Um die Risiken einer geographischen Neuorientierung zu minimieren, muss eine effiziente Standortplanung durchgeführt werden. Für das TCW wurde von Univ.-Prof. Dr. Dr. Horst Wildemann und seinem Team ein neues Planungsinstrument für eine effiziente Standortplanung entwickelt, dass eine systematische und mehrdimensionale Problembetrachtung in den Vordergrund der Betrachtungen stellt. Erstmals werden hiermit mittels einer Portfoliotechnik Normstrategien für verschiedene Unternehmens-Markt-Konstellationen abgeleitet.

Anhand eines Fallbeispieles soll das Vorgehen mit Hilfe dieses Planungsinstrumentes erläutert werden. Ein Unternehmen, dass an einem Standort der Bundesrepublik Deutschland tätig ist und einen Umsatz von 450 Mio. DM erzielt, ist im europäischen Vergleich unter den Top 3. Aufgrund anhaltender Absatzzuwächse nähert sich das Unternehmen seiner Kapazitätsgrenze. Zur Erschließung neuer Produktionskapazitäten kamen grundsätzlich zwei Handlungsalternativen in Betracht:

  • Übernahme eines ausländischen Wettbewerbers oder
  • Aufbau eines neuen Werkes in Osteuropa.

Zur Bewertung dieser Optionen wurden umfangreiche Analysen der Rohstoffversorgung, Kostenstrukturen, Vertriebspotentiale und potentiellen Synergieeffekte durchgeführt. Neben den unmittelbaren Verlagerungskosten und den erforderlichen Investitionen wurden ebenfalls auch Veränderungen des Deckungsbeitrags der verlagerten Produkte und der Logistikkosten berücksichtigt. Die Chancen-Risiken-Bewertung zeigte dabei eine eindeutige Präferenz für den Aufbau eines neuen Werkes in Osteuropa. Zur Klärung des genauen Standortes in Osteuropa wurde eine detailierte Analyse mit dem neu entwickelten Planungsinstrument durchgeführt.

Zunächst galt es, einen Länder-Sicherheitsindex zu berechnen, in dem die mit den möglichen Ländern verbundenen Chancen und Risiken ermittelt wurden. Standort- und länderspezifische Risiken, die je nach Relevanz für die Direktinvestition unterschiedlich zu gewichten waren, leiten sich ab aus unternehmensübergreifenden Faktoren, kosten- und produktionsbezogenen Risikofaktoren sowie einem absatzbezogenen Risiko. Diese Risikofaktoren gründen sich unter anderen auf mögliche Handelshemmnisse, die Investitionssicherheit, die Verfügbarkeit von Produktionsfaktoren und die erwartete wirtschaftliche und sozialpolitische Entwicklung.

Auf der Grundlage dieser Analyse wurde im Anschluss eine Auswahl der zu präferierenden Länder getroffen, in denen geeignete Standorte zu suchen waren. Die gefundenen Standorte mussten nun explizit verglichen werden. Die hierzu durchgeführte detailierte Untersuchung der Chancen und Risiken der Standorte unter Berücksichtigung der jeweiligen Steuer- und Subventionssituation führte schließlich zu einer konkreten Standortwahl. Anschließend wurden die Ergebnisse aus der Länder-Sicherheitsberechnung und der Chancen-Risiken-Analyse in ein Strategie-Portfolio eingetragen, aus dem die zu realisierende Strategie abzuleiten war.













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