Taktmontage von Verpackungsmaschinen
[26.05.2011]
Die steigenden Anforderungen des Unternehmensumfelds an die Effizienz der Wertschöpfungsprozesse veranlassten die Geschäftsführung, eine Taktmontage für Verpackungsmaschinen einzuführen. Mit der Taktmontage sollte eine signifikante Produktivitätssteigerung in der Montage erreicht werden. Außerdem bestand das Ziel in der verbesserten logistischen Anbindung aller Fachbereiche an den Maschinenerstellungsprozess.
Mit Hilfe einer Wertstromanalyse Montage wurde die Ausgangssituation zur Neuausrichtung des Montagebereichs für Standardmaschinen analysiert. Die Ausgangssituation war durch ein variantenreiches Produktprogramm, komplexe Montageabläufe und lange Durchlaufzeiten geprägt. Der steigenden internen Produkt- und Prozesskomplexität standen veränderte externe Rahmenbedingungen gegenüber. Während lange Zeit die Marktpotenziale in der kundenspezifischen Erstellung von optionsreichen Sonderlösungen lagen, änderte sich das Kundenverhalten in den letzten Jahren rapide. Kunden verlangten verstärkt nach preiswerten Standardmaschinen und kurzen Lieferzeiten. Die zunehmende Internationalisierung der Märkte führte zu steigender Wettbewerbsintensität und erforderte die Ausschöpfung sämtlicher Produktivitätspotenziale im innerbetrieblichen Leistungserstellungsprozess.
Mit der Entwicklung eines neuen Maschinentyps gelang dem Unternehmen die erfolgreiche Einleitung des Veränderungsprozesses. Die standardisierte Maschine erfüllte die Kundenanforderungen, sodass bereits kurze Zeit nach Markteinführung die Absatzprognosen signifikant angehoben wurden. Mit der neuen Maschine befand sich das Unternehmen nun nicht mehr im Bereich des Sondermaschinenbaus, sondern im Seriengeschäft.
Die herkömmliche Standplatzmontage war auf die Herstellung von Sonderprojekten gerichtet, welche stets aufs Neue aufgeplant werden mussten. Für die Montage von Standardmaschinen war diese Montageform ungeeignet. Für die neu entwickelte Maschine musste daher ein neues Montageprinzip gefunden werden. Die getaktete Fließmontage, kurz Taktmontage genannt, ist eine geeignete Montageform unter den beschriebenen Gegebenheiten. Ihr charakteristisches Merkmal ist die inhaltliche, räumliche und zeitliche Anordnung der Montageschritte nach dem Flussprinzip. Die Maschine wandert im Herstellungsprozess entlang fest definierter Montagepunkte. Betriebliche Ressourcen wie Personal, Betriebs- und Hilfsmittel oder Material werden an den einzelnen Takten bereitgehalten, die von der Maschine durchlaufen werden.
Die Taktmontage erfordert einen gerichteten Materialfluss. Die dadurch erreichte Übersichtlichkeit der Montage sowie die transparenten Material- und Informationsflüsse ermöglichen die Identifikation von Blindleistung und Verschwendung im Wertschöpfungsprozess. Der entscheidende Vorteil liegt jedoch in der Einbindung aller am Montageprozess beteiligten Unternehmensbereiche. Mechanische Montage und Elektromontage stimmen ihre Prozesse im Maschinenaufbau optimal aufeinander ab. Vertrieb und Projektmanagement orientieren sich am langfristig angelegten Plan der Auftragseinplanung, um unnötige Verschiebungen und Störungen der logistischen Abläufe zu vermeiden. Die dem Kunden zugesagten Lieferzeiten orientieren sich an der reellen Belastungssituation in der Taktmontage. Mechanische Fertigung und Einkauf verpflichten sich zur taktgenauen Anlieferung des gewünschten Materials und gewährleisten eine hohe Liefertermintreue. Die Konstruktion stellt die Funktionstüchtigkeit der Maschine sicher und vermeidet konstruktive Änderungen außerhalb der vereinbarten Release-Wechsel des Änderungsmanagements. Weiterhin wird durch die fortlaufende kontinuierliche Verbesserung der Montageabläufe im Rahmen von mitarbeiterbezogenen Workshops eine zügige Optimierung der Taktmontage sichergestellt.

Die Zielsetzungen liegen in der signifikanten Reduzierung der Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten. Gleichzeitig werden Lagerbestände durch die Einführung des Materialsteuerungskonzepts KANBAN und Umlaufbestände in der Montage durch die taktgenaue Anlieferung reduziert. Mit der Optimierung der Arbeitsplatz- und Arbeitsablaufgestaltung entlang der Takte werden störungsfreie Montagesequenzen gewährleistet. Planbarkeit und Qualität des Herstellungsprozesses erreichen eine neue Dimension.
Innovative Elemente der Taktmontage stellen neben der personalisierten Verantwortung der einzelnen Fachbereiche die neu eingerichtete Handlagerabwicklung und die Reintegration der operativen Materialdisposition in die Takte dar. Auf diese Weise wird der Kernprozess der physischen Maschinenerstellung gestärkt. Indirekte Planungsaufgaben werden zur Komplexitätsreduktion in den einzelnen Takten gebündelt. Auf diese Weise werden selbststeuernde Regelkreis institutionalisiert, welche die notwendige Voraussetzung für die Stärkung der Eigenverantwortung aller Fachbereiche darstellen. Die Takte geben für alle beteiligten Akteure den Handlungsrahmen vor und erzwingen abgestimmte Wertschöpfungsprozesse.

Mit der Taktmontage wurde ein Gestaltungsansatz gewählt, welcher auch erhebliche positive Auswirkungen auf die gesamte zukünftige Organisationsgestaltung des Unternehmens hat. Durch die Einbindung aller Bereiche wird die bereichsübergreifende Prozessorientierung gestärkt und der Kerngedanke einer durchgängigen Supply Chain forciert. Die prozessorientierte Wertschöpfungsgestaltung führt nicht nur zu Potenzialwirksamkeit in Form von Zeit- und Kostenreduktionen in den direkten Montageprozessen. Auch in den indirekten Bereichen der Auftragsabwicklung eröffnen sich durch das neu implementierte Montagekonzept erhebliche Potenzialquellen.
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