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TCW-Report: Konzeptwettbewerb und Know-how-Schutz
[30.01.2004]
„Innovationen waren und sind von enorm hoher Bedeutung für die BMW
Group. Denn Innovationen bedeuten, Schrittmacher in einer Technologie,
einem Prozess oder einem Verfahren zu sein, Trends zu bestimmen und die
Benchmarks zu setzen." (Dr. Burkhard Göschel, Vorstandsmitglied der BMW
Group). Trotz der hohen Bedeutung von Innovationen reduzieren die OEM
ihre F&E-Budgets. Folglich sind sie darauf angewiesen, die
F&E-Ressourcen ihrer Zulieferer zu nutzen. Aus diesem Grund steigt
die Zahl von Entwicklungspartnerschaften stark an. Eine besondere Rolle
im Kampf um Innovationen kommt Konzeptwettbewerben zu. Diese stehen
auch im Fokus des neuen TCW-Reports „Konzeptwettbewerb und
Know-how-Schutz in der Automobil- und Zulieferindustrie."
Konzeptwettbewerbe führen in der Automobilindustrie zu einem tief
greifenden Wandel, der die Zulieferer zu Partnern der OEM macht. Der
Wettbewerb unter den Zulieferunternehmen ist zu einem Wettlauf um die
besten Ideen geworden. Der Konzeptwettbewerb dient der Auswahl der
Zulieferer vor einer Entwicklungspartnerschaft. Durch die Vergabe einer
technischen Produktspezifikation haben alle Teilnehmer die Möglichkeit,
ein Konzept zur Realisierung der benötigten Anforderungen zu erarbeiten
und abzugeben. Beim Konzeptwettbewerb tritt das Ziel, den niedrigsten
Preis in Relation zur gewünschten Qualität zu erzielen, hinter dem
Ziel, die bestmögliche Innovation für ein bestimmtes Bauteil
sicherzustellen in den Hintergrund. Der TCW-Report stellt das
Organisationsproblem bei Entwicklungspartnerschaften dar. Er zeigt
Vorgehensweisen und Gestaltungsfelder des Konzeptwettbewerbs auf und
weist auf die erfolgskritischen Gestaltungsfelder des
Konzeptwettbewerbs und des Know-how-Schutzes hin. Maßnahmen zur
Steuerung von Entwicklungspartnerschaften gehen auf die Besonderheiten
komplexer wandelbarer Entwicklungspartnerschaften zwischen Kooperation
und Konkurrenz ein. Fallstudien verdeutlichen den Erfolg versprechenden
Weg, um Konzeptwettbewerbe, Know-how-Schutz sowie die Projektsteuerung
von Entwicklungspartnerschaften effektiv und effizient durchzuführen. Problemfelder des Konzeptwettbewerbs und Lösungsansätze: Problemfeld 1: Hohe Vergleichbarkeit der Konzepte bei gleichzeitigem Freiraum für Innovationen - Ein
Schlüsselfaktor für den Erfolg von Konzeptwettbewerben ist das
Lastenheft. Die Definition des Lastenhefts kommt einem Spagat gleich:
Zum einen muss das Lastenheft hinreichend genau spezifiziert sein, um
die Vergleichbarkeit der Konzepte sicherzustellen, zum anderen muss den
Zulieferern ein möglichst großer Freiraum zugestanden werden, um
innovative Elemente einbringen zu können.
Lösungsansatz 1: Aufspaltung des Lastenhefts in Kür- und Pflichteil Eine
Aufspaltung des Lastenhefts in einen Pflicht- und einen Kürteil bietet
sich zur Beherrschung des Problemfeldes an. Die vollständige Umsetzung
des Pflichtteils stellt die Vergleichbarkeit der von den Teilnehmern
eingereichten Konzepte sicher. Der Pflichtteil lässt den Lieferanten in
der Regel nur einen geringen Freiheitsgrad. Für die Einbringung
zusätzlicher technischer Innovationen wird der Kürteil verwendet.
Hierdurch bekommen die Zulieferer die Möglichkeit, zusätzliche
innovative Elemente in des Konzept einzubringen, die erheblich von den
im Lastenheft ursprünglich definierten Anforderungen abweichen können. Problemfeld 2: Vermeidung des Abflusses von Know-how im Rahmen von Konzeptwettbewerben - Um
die Zulieferer dazu bewegen zu können, ihre gesamte innovative
Leistungsfähigkeit im Rahmen von Konzeptwettbewerben anzubieten, muss
sichergestellt sein, dass dieses Know-how bei einer Nichtvergabe des
Auftrages nicht abfließt.
Handlungsempfehlung 2: Know-how-Schutz-Portfolio Zur
Strukturierung und Priorisierung der Risiken sowie das Aufzeigen von
Ansatzpunkten für die Risikohandhabung in Bezug auf den Know-how-Schutz
bietet sich für die Zulieferer der Einsatz eines
Know-how-Schutz-Portfolios an. In dem dreidimensionalen Portfolio
werden die Bedeutung eines Auftrags, die Wahrscheinlichkeit und die
Tragweite des Know-how-Abflusses in ihren jeweiligen Dimensionen
abgetragen. In Abhängigkeit des klassifizierten Risikos lassen sich
anschließend verschiedene Methoden zur Minimierung des
Know-how-Abflussrisikos ableiten. An erster Stelle sind hierbei
Geheimhaltungsvereinbarungen auf vertraglicher Basis zu nennen.
Primäres Ziel dieser Vereinbarung ist nicht in der Möglichkeit der
rechtlichen Sanktionierung von etwaigen Vertragsverletzungen zu sehen,
sondern vielmehr in der Sensibilisierung aller Beteiligten bezüglich
des Know-how-Schutzes. Eine weitere Methode stellt die Entwicklung von
80%-Lösungen dar. Das bedeutet, dass der Zulieferer im Rahmen eines
Konzeptwettbewerbs lediglich Lösungen anbietet, die noch nicht zu 100%
fertigentwickelt sind und erst bei der Auftragsvergabe zuende
entwickelt werden. Die zielführendste Methode zum Know-how-Schutz
stellen allerdings langfristige und persönliche Beziehungen der
Beteiligten dar, da diese opportunistisches Verhalten am effizientesten
verhindern. Fallstudien: Fallstudie 1: Opel Bei
Opel dient der Konzeptwettbewerb, im Rahmen der Supplier Integration,
als probates Mittel zur Lieferantenauswahl. Er startet mit
Lieferantenworkshops, in denen ein Konzeptblatt an die vorausgewählten
Zulieferer übergeben wird. Die Konzeptphase schließt damit ab, dass
eine funktionale Spezifikation vorliegt. Auf ihrer Basis optimieren die
Zulieferer ihre Konzepte, präsentieren sie und die Lieferentscheidung
wird getroffen. Opel legt großen Wert auf eine kostenorientierte
Entwicklung ohne andere Aspekte wie Qualität und technische
Innovationen außer acht zu lassen. Um dies zu bewerkstelligen, wird im
Konzeptwettbewerb eine Dreistufigkeit der sog. Performance festgelegt.
Die Performance setzt sich aus funktionalen, qualitativen und sonstigen
Kriterien zusammen. „High", „Medium" und „Low" Performance-Konzepte
sind mit entsprechend unterschiedlichen Target-Costing-Sätzen
verknüpft. So wird der Lieferant in die Lage versetzt,
Konzeptalternativen auszuarbeiten, die nach Bedarf vom OEM eingesetzt
werden können. Fallstudie 2: DaimlerChrysler
DaimlerChrysler sieht die größten Vorteile im Konzeptwettbewerb in der
Nutzung des Lieferanten-Know-hows und der Ermittlung vielfältiger
Lösungsmöglichkeiten. Als Nachteile kennzeichnet man die Notwendigkeit
detaillierter Vorgaben, den erhöhten Entwicklungsaufwand und die
Möglichkeit, dass Lieferanten sich untereinander absprechen. Um den
Nachteilen entgegenzuwirken, verlangt man eine Plausibilisierung der
Kalkulationsangebote der Lieferanten sowie die ausschließliche Nutzung
der Konzeptanfrage bei technologisch notwendiger Konzepterklärung. Mehr Informationen zum Thema Konzeptwettbewerb finden Sie im neuen TCW-Report: Konzeptwettbewerb und Know-how-Schutz in der Automobil- und Zulieferindustrie Weiterführende Literatur:Seminarhinweis:- Fachseminar: Produktklinik & Produktionssysteme, 18.-20.03.2004 in München
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Literatur
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Entwicklungspartnerschaften in der Automobil- und Zulieferindustrie Leitfaden zur methodengestützten Umsetzung von Entwicklungspartnerschaften  Leitfaden Entwicklungspartnerschaften |
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