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Know-how-Schutz in Entwicklungspartnerschaften
[27.05.2003]
Der Schutz des eigenen Know-hows stellt ein erhebliches Defizit beim
Eingehen von Entwicklungspartnerschaften in der Automobil- und
Zulieferindustrie dar. Insbesondere zeigen sich die Zulieferer über die
Möglichkeit der OEMs besorgt, dass das über Ausschreibungen oder
Konzeptwettbewerbe vom OEM erworbene Know-how an Konkurrenten
weitergegeben wird, ohne dass die Zulieferer hierfür eine finanzielle
Kompensation erhalten.
Der Schutz des Know-hows stellt insbesondere bei zwei
Ausprägungsformen von Entwicklungspartnerschaften ein Problem dar. Bei
Konzeptwettbewerben und Ausschreibungen können die Zulieferer nur in
beschränktem Maße eine unrechtmäßige Weitergabe von Know-how durch den
OEM verhindern, da aufgrund der fehlenden langfristigen Perspektive
eine effektive Sanktionierung des opportunistischen Verhaltens
erschwert wird. Durch eine empirische Studie zu den Defiziten von
Konzeptwettbewerben wird die Relevanz dieses Problems untermauert.
Eine Möglichkeit zur Strukturierung und Priorisierung der
Know-how-Schutzrisiken stellt ein Know-how-Schutzportfolio dar. Mit
dessen Hilfe können die einzelnen Risiken bewertet und dementsprechend
geeignete Handlungsoptionen aufgezeigt werden. Das Portfolio umfasst
drei Dimensionen. 1. Die Wahrscheinlichkeit des Know-how-Abflusses:
Es setzt sich aus drei Kriterien zusammen: Die Vertrauenswürdigkeit des
OEMs gibt die Erfahrung des Lieferanten mit dem OEM wieder, inwiefern
dieser in der Vergangenheit Know-how an Dritte weitergegeben hat. Die
Substituierbarkeit des Know-hows spiegelt die Wichtigkeit der
Innovation und den Grad, inwiefern diese Innovation durch andere
Entwicklungen ersetzt werden kann wieder. Die Imitierbarkeit gibt den
Grad an, mit welchem zeitlichen, finanziellen und ressourcenbezogenen
Aufwand der Dritte die Innovation kopieren kann. 2. In der Bedeutung des Auftrages
spiegelt sich die z.B. die Türöffnerfunktion für weitere Aufträge, ein
Imagegewinn oder eine kurzfristige, monetäre Bedeutung des möglichen
Auftrags wieder. 3. Die Tragweite des Know-how-Abflusses gibt die monetären Konsequenzen des Know-how-Verlustes beispielsweise in Form von entgangenen Deckungsbeiträgen an. Vor
jeder Teilnahme an einer Ausschreibung oder an einem Konzeptwettbewerb
wird das Portfolio herangezogen. Aus der jeweiligen Position im
Portfolio kann eine Normstrategie abgeleitet werden. Ist die
Wahrscheinlichkeit eines Know-how-Abflusses gering, kann an der
Ausschreibung aus Risikogesichtspunkten ohne weitere Schutzmaßnahmen
teilgenommen werden. Ist allerdings die Wahrscheinlichkeit für ein
Know-how-Abfluss groß und die Bedeutung des Auftrages nur gering,
sollte auf die Teilnahme an der Ausschreibung verzichtet werden. Für
alle anderen Kombinationen muss von Fall zu Fall entschieden werden.
Dabei kann auf verschiedene Methoden für die Handhabung von Risiken
zurückgegriffen werden: - Geheimhaltungsvereinbarungen
- 80%-Entwicklungen:
Abgabe einer noch nicht komplett fertigentwickelten Lösung, bei der
noch entwicklungstechnische Freiheiten bestehen.
- Produktmuster: Abgabe eines Musters, das ein Dritter nicht ohne Konstruktionszeichnung nachbauen kann.
- Konstruktionszeichnung:
Abgabe einer Konstruktionszeichnung, wenn diese zum Nachbau ohne ein
Muster wertlos ist, da keine Materialanalyse vorgenommen werden kann.
- Rapid Prototyping: Herstellung von körperlichen Modellen auf Basis von CAD-Daten unter Verwendung von einfachen Werkstoffen.
- Virtual
Prototyping: Erstellung von virtuellen Prototypen, die dem Kunden
präsentiert werden, ohne dass er Konstruktionszeichnungen oder
Produktmuster bekommen würde.
- Open-Data-Room:
Kundenvertretern werden in einem Raum alle Unterlagen und Muster zur
Verfügung gestellt, allerdings dürfen sie weder Dokumente, Photos,
Aufzeichnungen oder Teile aus dem Raum mitnehmen.
Bei
allen Risikohandhabungsstrategien hat ein Trade-off zwischen der
Vollständigkeit bei der Angebotsabgabe und dem Schutz des eigenen
Know-hows zu erfolgen. Weiterführende Literatur: Seminare: nach oben
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Management-Seminar
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Literatur
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Entwicklungspartnerschaften in der Automobil- und Zulieferindustrie Leitfaden zur methodengestützten Umsetzung von Entwicklungspartnerschaften  Leitfaden Entwicklungspartnerschaften |
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