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Ableitung von Strategien für den Modul- und Systemeinkauf

[12.07.2007]

Bereits heute beziehen die führenden Automobilhersteller den Großteil aller Hauptmodule von Modul- oder Systemlieferanten. Umso erstaunlicher ist es, dass es in vielen Fällen keine einheitlichen unternehmensweiten Strategien zum Einkauf von Modulen und Systemen gibt. Von Fall zu Fall wird entschieden, welche Aufgabenumfänge ein Modul- und Systemlieferant übernehmen soll und wie dessen Leistungskalkulation vorgenommen wird. Häufig kommt es sogar vor, dass einzelne Zuständigkeiten gar nicht genau geklärt werden (z.B. Gewährleistungsabwicklung bei 0km Ausfällen, Eskalationsstufen im Qualitätsmanagement, Mitspracherecht bei der Untervergabe).

Ableitung von Strategien für den Modul- und Systemeinkauf

Das Ziel eines Beratungsprojektes war es, eine Beschaffungsstrategie für den Modul- und Systemeinkauf eines Automobilherstellers zu entwickeln. Neben einer Unternehmensstrategie für den Modul- und Systemeinkauf wurden Standards für die Beschaffung von Modulen und Systemen erarbeitet. Diese Standards erläutern Gestaltungsmöglichkeiten für den Einkauf von Systemen und Modulen und definieren Normstrategien zur Integration der Modul- und Systemlieferanten in die Einkaufsprozesse für den Zeitraum zwischen der internen Lieferantenentscheidung bis zum Start of Production (SoP). Die Normstrategien wurden unter Berücksichtigung der Gesichtpunkte Zeit, Qualität, Kosten und Flexibilität aus der fachbereichsübergreifenden Perspektive abgeleitet und für unterschiedliche Beschaffungssituationen ausgelegt. Diese Standards unterstützen den Einkauf bei der Gestaltung von Lieferantenbeziehungen.

Jede Normstrategie besteht aus Gestaltungsempfehlungen für die Bereiche:

  • Liefer- und Leistungsbeziehung
  • Einkaufsverantwortung
  • Lieferantenmanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Preiskalkulation

Bei der Ableitung von Normstrategien war die fallspezifische Preiskalkulation für die Verhandlung mit Modul- und Systemlieferanten von besonderem Interesse. Je nach Wertschöpfungstiefe, Innovationsgrad, Entwicklungsleistung und Investitionshöhe wurden Verfahren zur Umlage von Materialgemeinkosten, Overhead und Lieferantengewinn definiert.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass für die Materialgemeinkosten und den Overhead eine analytische Kostenermittlung der TCO zu priorisieren ist. Sollte dies nicht möglich sein, muss auf eine Kostenermittlung über einen Zuschlagssatz zurückgegriffen werden. Als Berechnungsgrundlage für die Kalkulation der Materialgemeinkosten und des Overhead sind generell Fertigungskosten den Herstellkosten vorzuziehen. Die Kalkulation des Lieferantengewinns sollte wenn möglich auf Basis der vom Lieferanten getätigten Investitionen erfolgen. Wenn dies aufgrund der niedrigen Investitionen nicht möglich ist, muss ebenfalls auf eine Kalkulation auf Basis eines Zuschlagssatzes zurückgegriffen werden.

Durch die Darstellung der Normstrategien und Gestaltungsmöglichkeiten wurde der Einkaufsabteilung eine strukturierte Übersicht der möglichen Spielarten im Modul- und Systemeinkauf übergeben. Die Gestaltungsempfehlungen unterstützen den Einkauf bei der täglichen Arbeit und bringen Kontinuität und Transparenz in die Vergabeentscheidungen.

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