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Services im modularen Hausbau

[20.05.2015]

Foto: Mimi Potter / fotolia.com
Bauvorhaben sind sehr komplex. Sie fordern eine Vielzahl an Entscheidungen, die in kurzen Abständen getroffen werden müssen. Kunden wünschen sich während der gesamten Bauzeit und darüber hinaus eine professionelle Begleitung, um Unsicherheiten und Risiken zu minimieren. Um die Komplexität der Bauprojekte inklusive der unterstützenden Services überschaubarer zu halten, lohnt es sich das Angebot für den Kunden zu modularisieren. Dadurch wird dieses überschaubarer und für den Kunden leichter verständlich. Nachfolgende News beschreibt den bereits in der Praxis erprobten Lösungsansatz des TCW.

Chancen der Serviceintegration im modularen Hausbau

Um die Kunden ideal in ihrem Bauvorhaben zu unterstützen, stehen Services im Hausbau im Vordergrund. Services eignen sich als Kundenbindungswerkzeug und beinhalten ein hohes Margenpotenzial. Im Unterschied zum konventionellen Hausbau lässt sich der modulare Hausbau entlang einer durchgängigen Wertschöpfungskette abbilden und somit in unterschiedliche Prozessphasen untergliedern. Die Herausforderung besteht darin, entlang dieser verschiedenen Bauprojektphasen intelligente Serviceleistungen zu platzieren, um die Kundenanforderungen zu bedienen und die Marktpotenziale auszuschöpfen. Wie lassen sich Serviceangebote so gestalten, dass sie in Form von Leistungsbündeln angeboten werden können? Diese zeichnen sich im Vergleich zu konventionellen Serviceleistungen durch Mehrpreisfähigkeit beim Kunden aus, weil sie den Kundennutzen steigern. Für die anbietenden Unternehmen eröffnen sich dadurch Differenzierungspotenziale zu anderen Wettbewerbern.

Video: Modularer Hausbaukasten - Modulmontage

Wie können Bauprojekte sinnvoll durch Services ergänzt werden?

Es werden Serviceleistungen entwickelt, die entlang der vier Bauprojektphasen angeboten werden. Die Bauprojektphasen lassen sich in die Phasen vor der Auftragsabgabe, nach der Auftragsabgabe, während der Produktion und nach Projektabschluss gliedern (vgl. Abbildung 1).

Vor der Auftragsvergabe

Vor der Auftragsvergabe kommen vor allem Serviceleistungen für Beratung und Finanzen sowie die Bestellung des Bau-Fullservice in Frage. Im Zuge der stetig wachsenden Komplexität von Bauprojekten ist es für die Kunden von erheblichem Vorteil, eine qualifizierte Beratung für auftretende Fragestellungen zu erhalten. Die Beratung muss flexibel auf verändernde Rahmenbedingungen reagieren, neue Trends frühzeitig aufnehmen und von höchster Fachexpertise getragen sein. Es besteht die Notwendigkeit einer problemlösungsorientierten Beratung, die aus komplexen Sachverhalten fundierte Schlüsse ziehen kann, um einen signifikanten Mehrwert für die Kunden zu bieten. Die Schwerpunkte im Servicemodul Beratung beziehen sich auf Beratungsleistungen zu Anwendungs- und Nutzungsmöglichkeiten sowie zur Erweiterbarkeit des modularen Hausbaus als auch auf eine Energieberatung zur Steigerung der Energieeffizienz.

Bezüglich der Anwendungs- und Nutzungsmöglichkeiten werden Vorschläge erarbeitet, wie die Räumlichkeiten bestmöglich auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden abgestimmt werden können. Die Erweiterbarkeit ist in diesem Kontext ein Schlüsselthema des modularen Hausbaus. Im Vergleich zum konventionellen Wohnungs- und Häuserbau zeichnet sich der modulare Hausbau dadurch aus, dass modulare Einheiten, aufgrund der standardisierten Schnittstellen, austauschbar sind. So können modulare Häuser und Wohneinheiten nach einer gewissen Zeit in Abhängigkeit der jeweiligen Präferenzlage des Kunden erweitert, aber auch redimensioniert werden. Die Beratung leistet in diesem Zusammenhang einen wertvollen Beitrag, indem mit dem Kunden die jeweils zweckmäßigsten Lösungen gefunden werden können.

Das Servicemodul Bau-Fullservice bietet sich an, wenn Kunden die zeitintensiven Aufgaben innerhalb eines Bauprojekts nicht selbst wahrnehmen können. Mit diesem Service werden sämtliche Aufgaben, die mit dem Bau des modularen Hauses verbunden sind, von einem Hersteller übernommen und gesteuert. Die Vorteile liegen in der Schaffung einer Instanz, die für alle baurelevanten Aktivitäten zuständig ist. Durch kompetente Unterstützung seitens des Bau-Fullservice können Risiken bereits frühzeitig identifiziert und beseitigt werden. Gleichzeitig wird der Baufortschritt kontinuierlich überwacht und es können bei gegebenen Abweichungen rasche Abstellmaßnahmen eingeleitet werden.

Ein weiteres Servicemodul vor der Auftragsvergabe ist die Finanzierung. Es bietet dem Kunden beim Kauf eines modularen Hauses die Auswahl an verschiedenen Finanzierungsarten an. Denkbare Möglichkeiten stellen hierbei neben gängigen Hauskrediten auch Leasingverträge dar. Die Auswahl der passenden Finanzierung hängt vorrangig von den mittel- bis langfristigen Planvorstellungen der Kunden ab. Je nach Einsatz- und Verwendungszweck der modularen Häuser kann im Rahmen dieses Servicemoduls das passende Finanzierungsmodell entwickelt werden.

Nach der Auftragsvergabe

In der Bauphase nach der Auftragsvergabe geht es schwerpunktmäßig um die Einrichtung und Ausstattung der modularen Einheiten mit entsprechend verfügbarer Technologie in den Bereichen technischer Infrastruktur, Versorgung oder Ergonomie. Das Servicemodul Einrichtung gewährleistet dem Kunden bereits möblierte Module zu bestellen. Kunden haben hierbei die Wahl zwischen verschiedenen Herstellern für Haushaltsgeräte, Sanitäreinrichtungen oder etwa Heizkörper oder Öfen, Böden, Fliesen, Wand- und Putzfarben, Pflaster oder Kamine. Alternativ ist es möglich zwischen verschiedenen Innenausstattern und Designpartnern zu wählen, die sich um die komplette Einrichtung des modularen Hauses kümmern. Im Servicemodul Energie wird dem Kunden die Möglichkeit gegeben, die bevorzugte Energieversorgung des modularen Hauses zu wählen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, welche Energietechnologien gewählt werden sollen beziehungsweise welche Einsatz- und Kombinationsmöglichkeiten sinnvoll sind. So kann das modulare Haus für die Energieerzeugung beispielsweise mit Solar-, Wind-, oder Geothermieelementen ausgestattet werden. Neben erneuerbaren Energiequellen kann ebenso auf konventionelle Energieträger wie Öl, Kohle oder Gas gesetzt werden. Im Bereich der Energieerzeugung und -speicherung sind vielfältige Lösungen denkbar, um modulare Einheiten unter wirtschaftlichen wie ökologischen Aspekten optimal zu versorgen.

Einen immer wichtigeren Aspekt für Hausbewohner nimmt das vielschichtige Thema Wohlbefinden ein. Bei den Bewohnern steigt das Bedürfnis für eine Rundumversorgung im eigenen Wohnbereich. Darunter fallen Aspekte der Gesundheitsvorsorge, der digitalen Vernetzung oder der Ergonomie. Menschen mit erhöhtem medizinischem Fürsorgebedarf können mithilfe von eingesetzten IT-Modulen bestimmte medizinische Parameter erfassen und gegebenenfalls an medizinischen Einrichtungen wie Kranken- oder Ärztehäuser weiterleiten. Die digitale Vernetzung beinhaltet Potenziale das gesamte Haus per Smartphone oder Tablet zu steuern. Hausgerätehersteller statten ihre Geräte zunehmend mit intelligenter Technik aus, um es Kunden zu ermöglichen, auch außerhalb der eigenen vier Wände auf ihre Hausgeräte zuzugreifen und diese zu steuern. Im Bereich der digitalen Vernetzung moderner Haustechnik bietet sich bereits heute eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten, die benutzerbezogen eingeführt werden können. So sind weitere Leistungen im Servicemodul IT die automatische Energiesteuerung und Überwachung des Hauses. Diese regelt den Energieverbrauch und die Raumtemperatur. Existiert beispielsweise eine Rückkopplung zu aktuellen Wettervorhersagen, kann die Raumtemperatur vollautomatisch über die vernetzten Systeme entsprechend den Bedürfnissen der Bewohner angepasst werden.

Während der Bauphase

Während der Bauphase sind Versicherungsleistungen relevante Servicebausteine, da in dieser Phase bereits alle Informationen zum Gebäude vorliegen. Dieses Servicemodul zielt auf die Minimierung von wirtschaftlichen Risiken ab. Denkbar sind neben Brandschutz-, Gebäude-, Hausrat-, oder etwa Rechtsschutzversicherungen auch Sachversicherungen für die Haustechnik. Neben dem Schwerpunkt auf Versicherungsleistungen können einzelne Dienstleistungen aus dem Modul Bau-Fullservice speziell während der Bauphase hinzugebucht werden. Hierzu zählt etwa das Bauprojektmanagement. Damit können Kunden erfahrene Experten in das Bauprojekt miteinbeziehen, was wiederum zu einer gesteigerten Effizienz des Bauvorhabens führt und beim Kunden für Entlastung sorgt.

Nach Projektabschluss

Ein wichtiges Servicemodul nach Projektabschluss ist die Instandhaltung. Hier werden verschiedene Serviceleistungen gebündelt, die zum Erhalt der Langlebigkeit des Hauses beitragen. Mit einer 24-Stunden-Servicehotline oder einem Hausmeisterservice wird eine durchgängige Betreuung der modularen Hauseinheiten durch fachkompetentes Personal sichergestellt. Durch Vergabe von Garantien für einzelne Bauteile oder Module kann ein für den Kunden kostenloser Reparatur- und falls möglich Bauteilaustauschservice angeboten werden. Mit dem Servicemodul Sicherheit lassen sich modulare Hauseinheiten gegen Umwelteinflüsse oder gegen Einbrüche absichern. Im Falle von Naturkata-strophen wie Erdbeben oder Hochwasser hilft eine robuste Zusatzkonstruktion die bereits hohe Stabilität der Module zu verstärken. Denkbare Lösungen sind Erhöhungen für Erdgeschossmodule oder Unterbauten, die Erschütterungen absorbieren.

Um Häuser verbessert gegen Einbruch abzusichern, werden Haussicherheitssysteme angeboten. Hierbei ist es möglich, bewegliche Terrassenelemente aufzuklappen und somit die Fensterwand zur Terrasse zu verriegeln. Neben dem Einbau von einbruchssicheren Fenstern können in Verbindung mit der Haussteuerung intelligente Alarmanlagen verbaut werden, die bei einem Einbruchversuch automatisch einen stillen Alarm auslösen und die nächstgelegene Polizeidienststelle informieren.

Nach Projektabschluss können weitere Serviceleistungen in den Bereichen Baustellensupport, Sondertransporte oder Abriss- und Entsorgungsdienstleistungen angeboten werden. Neben dem Angebot an Servicedienstleistungen entlang der Bauprojektphasen lassen sich neue Geschäftsfelder identifizieren, die Bauunternehmen für sich nutzen können. Im Bereich Finanzierung könnten Bauunternehmen für die Kunden die Finanzierungsmöglichkeiten abklären und modulare Einheiten nach dem Prinzip des Leasings verkaufen. Zum eigentlichen Bauobjekt wird dem Kunden also zusätzlich ein Finanzierungsservice angeboten. Kunden bezahlen eine vertraglich festgelegte Pauschale und können nach Ablauf der festgelegten Nutzungszeit bestimmte Module wieder zurückgeben. Ein Potenzial verspricht die Vermietung einzelner Module, da Kunden hiermit ein höchstmögliches Maß an Flexibilität für die Raumnutzung erzielen können.

Ein weiteres Geschäftsfeld könnte in der Lizenzierung von Raummodulen entstehen. Hierbei werden Kooperationen mit Unternehmen aus den Branchen der Haushalts- und Elektrogeräte oder IT-Unternehmen eingegangen (vgl. Abbildung 2). Die kooperierenden Unternehmen erwerben Lizenzen, um ihre Produkte und Services in den Modulen verbauen zu dürfen. Auch im Bereich Beratung lassen sich neue Geschäftsfelder für die Bauunternehmen entwickeln. Themenfelder sind Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten, Austauschfähigkeit und Erweiterbarkeit von Hausmodulen oder Fragestellungen rund um den Energieverbrauch von Gebäuden.

Im Bauwesen gelten eine Vielzahl von Bauvorschriften, die im modularen Hausbau einzuhalten sind. Aufgrund der Vielfalt dieser Vorschriften stellt es für Bauunternehmen auch hier eine Option dar, Beratungsleistungen zum Modularisierungskonzept und zu Anwendungsmöglichkeiten des modularen Hausbaus anzubieten. Nach Beendigung von Bauprojekten können neue Geschäftsfelder identifiziert werden, wie die Instandhaltung und Wartung von Modulen, einzelner Elemente oder der Technik. Auch Versicherungsleistungen stellen potenzielle Geschäftsfelder dar. Die daraus resultierenden Synergieeffekte führen zu günstigeren Versicherungskonditionen, wovon wiederum die Endkunden profitieren. Systeme zur Gebäudemodellierung können im Rahmen von Lizenzierungen anderen Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Auch im Bereich After Sales sind zusätzliche Geschäftsfelder denkbar, wie etwa Hausmeisterservices mit einer Rundumbetreuung der modularen Einheiten.

Nutzen der Services im modularen Hausbau

Aus wirtschaftlicher Sicht ergeben sich Vorteile durch das Angebot von Servicebündeln. Diese Bündel stellen eine sinnvolle Erweiterung zu Basisprodukten dar. Durch eine intelligente Zusammenstellung von Servicepaketen lässt sich eine Mehrpreisbereitschaft beim Kunden erzielen.

Fallstudien zeigen, dass sich durch intelligente Verknüpfung zu Servicepaketen Mehrpreise von bis zu 25% realisieren lassen. Diese Zusatzservices, die entlang verschiedener Bauprojektphasen angeboten werden, leisten auch einen durchgängigen Wertbeitrag für den Kunden. Das Angebot von Leistungsbündeln ermöglicht eine Diversifizierung des Geschäftsmodells mit einer Verlagerung hin zur Serviceorientierung. Ein wesentlicher Nutzen ergibt sich durch die verbesserte Kundennähe. Außerdem lassen sich durch Zusatzservices Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten, die zu strategischen Wettbewerbsvorteilen führen. Kunden profitieren von innovativen Serviceangeboten, die auf bislang unerfüllte Kundenbedürfnisse ausgerichtet sind.

Die Ausrichtung der Bauunternehmen könnte sich durch den Einsatz von Services und das Nutzen neuer Geschäftsbereiche ebenso verändern. Es ist denkbar, dass sich weitere Kooperationspartner wie Innenraumarchitekten, Möbelhersteller oder Gartenbauer in den Bauprozess integrieren werden. Somit könnten Bauunternehmen als alleiniger Ansprechpartner für den Kunden fungieren und als Anbieter von vollumfänglich integrierten Wohnraumlösungen im Markt auftreten.

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