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Krisenbewältigung als Chance für den Mittelstand

[02.05.2023]

Foto: Kathryn Schipper

Effektive Krisenbewältigung ist das Thema in diesen volatilen Zeiten und erfordert ein agiles Handeln. Die Führungsmodelle krisenresilienter Unternehmen setzen auf eine klare Arbeitsteilung zwischen der strategischen und operativen Unternehmensführung. Es müssen Entscheidungen für eine langfristige Wertsteigerung getroffen und gleichzeitig das operative Geschäft erfolgreich geführt werden. Ein kundenorientierter Auftragsabwicklungsprozess ist der entscheidende Schlüssel für eine Stabilisierung des Tagesgeschäfts. Und eine transparente und offene Unternehmenskultur sowie eine Vertrauensbasis zwischen Führungskräften und Mitarbeitern legt den Grundstein für zukünftiges profitables Wachstum.

Multiple Krisen machen agiles Handeln erforderlich

Die globalen Auswirkungen der Corona-Pandemie beschäftigen die meisten Unternehmen noch heute und erfordern ein angepasstes Handeln. Darauf nach wie vor entschlossen und richtig zu reagieren, ist und bleibt das Gebot der Stunde. Zunächst geht es auch weiterhin um die Absicherung des bestehenden Geschäfts, den Zugriff auf Vorprodukte, den Aufbau von Lagerbeständen und den kurzfristigen Aufbau zusätzlicher Lieferanten. In diesem Zusammenhang ist häufig eine kurzfristige Reduzierung von Investitionsbudgets und ein intensives Monitoring des Working Capital notwendig. Nicht zuletzt trägt bei vielen Unternehmen ein diversifiziertes Geschäft ebenfalls wesentlich zur Risikominimierung bei, um möglichst schnell und flexibel auf mannigfaltige betriebswirtschaftliche Herausforderungen zu reagieren. Diese ersten Adhoc-Maßnahmen haben zwar einen unmittelbaren Einfluss auf die Stabilisierung des Tagesgeschäfts, bilden aber nur den Auftakt zur Krisenbewältigung. Denn ohne ein neues Führungsmodell bleiben alle kurzfristigen Anstrengungen ohne nachhaltiges Ergebnis für die weitere Unternehmensentwicklung.

Ein neues Führungsmodell zur Krisenbewältigung

Wesentliche Lehren aus der Krise müssen sich in einem neuen Führungsmodell mit veränderter Schwerpunktsetzung niederschlagen. Ein solches Führungsmodell muss darauf ausgerichtet sein, Chancen zu nutzen und Risiken früher zu erkennen. Nach Corona geht es vor allem um die Förderung von Innovation, die Sicherstellung operativer Exzellenz, die Ausweitung der Internationalisierung sowie um Investitionen in das Geschäft und die Organisation. Ziele bestehen einerseits in konsequenter Kundenorientierung und schneller Anpassung der betrieblichen Aktivitäten an veränderte Kundenwünsche, andererseits in einer fortlaufenden Weiterentwicklung der Fähigkeiten des Personalsystems und der Sicherstellung einer kontinuierlichen Verbesserung im Unternehmen. Zur Umsetzung dieser Themen ist TOP-DOWN den Mitarbeitern von der Geschäftsführung Vertrauen entgegenzubringen und Verantwortung zu übertragen. BOTTOM-UP haben die Mitarbeiter ihren Vorgesetzten regelmäßiges Feedback über ihre Arbeitsergebnisse abzuliefern. Die Basis hierfür ist ein wechselseitiges Vertrauen zwischen Führungskräften und Belegschaft sowie eine offene, transparente sowie problemlösungsorientierte Unternehmenskultur. Eine intensive Kommunikation auf verschiedenen Ebenen und die durchgängige Beseitigung von Informationsasymmetrien verstärken den positiven Effekt.

Fallbeispiel: Optimierung des Auftragsabwicklungsprozesses mit innovativen Technologien bei einem Hersteller von Verpackungsmaschinen

Ein konkretes Umsetzungsbeispiel aus dem operativen Bereich für eine effektive Krisenbewältigung liefert die Virtualisierung der Auftragsabwicklung sowie die Einrichtung eines Auftragsabwicklungszentrums, um eine ganzheitliche End-to-End Betrachtung vom Kunden entlang der Wertkette zurück bis zum Lieferanten sicherzustellen. TCW wurde von einem namhaften Hersteller im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus damit beauftragt, den kompletten Auftragsabwicklungsprozess zu reorganisieren und den Datenfluss zum Kunden zu optimieren. Das Auftragsabwicklungszentrum ermöglichte durch die auftragsbezogene Bündelung von Informationen und eine durchgängige Auftragsbearbeitung signifikant kürzere Auftragsbearbeitungszeiten. Ergänzend zu kurzen Durchlaufzeiten in der Auftragsabwicklung und schnellen Reaktionszeiten auf Kundenanfragen müssen Unternehmen jedoch innovative Neuerungen einbringen, die ein Ergebnis der Corona Entwicklungen darstellen. Virtuelle Kundenbesuche und Webinare verbessern die Kundenbindung, virtuelle Messen zielen auf das Erreichen eines großen Kundenspektrums, Abnahmen und Schulungen lassen sich ebenfalls virtuell organisieren und können auch zukünftig erhebliche Vereinfachungen für den Kunden und das Unternehmen zur Folge haben. Neben den Innovationsansätzen in der Auftragsabwicklung müssen alle Instrumente zur langfristigen Kundenbindung genutzt werden. Es beginnt damit, durch Interaktion mit dem Kunden über die verschiedensten digitalen Kanäle und Plattformen eine neue Austauschbasis zu begründen. Das Wissen über den Kunden und seine heutigen sowie zukünftigen Bedürfnisse ist der Schlüssel für die nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Dabei sind Kundenbefragungen, die mittels der Conjoint-Analyse durchgeführt werden, besonders gut geeignet für eine differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Kundensegmente und deren Charakteristika. Die Conjoint-Analyse liefert wichtige Informationen über die Mehrpreisbereitschaft der Kundengruppen und ermöglicht damit die Ableitung von Schlussfolgerungen für die Preis- und Leistungsgestaltung des Portfolios, vor allem im Zusammenspiel zwischen Produkt und Service. Mit Hilfe der eingesetzten Methoden und eingeleiteten Maßnahmen konnte das Unternehmen nicht nur eine signifikante Beschleunigung der Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten in der Auftragsabwicklung erzielen, sondern auch ein optimiertes Leistungs- und Serviceangebot für die nachhaltige Stärkung der Kundenbeziehungen realisieren.

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