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Schutz vor Produktpiraterie

Durch die Öffnung der Märkte und den zunehmenden globalen Wettbewerb wächst die Gefahr, dass Produkte illegal kopiert und vertrieben werden. Zum Schutz vor Produktpiraterie muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein effizientes und effektives Schutzkonzept im Unternehmen implementiert werden.

Herausforderungen

Spektakuläre Meldungen über Fälle von Produktpiraterie sind mittlerweile fast alltäglich. Die Schäden durch Produktpiraterie werden auf knapp 400 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Waren in der Vergangenheit vor allem Konsumgüter im Fokus von Produktpiraten, so sind heute durch die Öffnung der Märkte und durch den zunehmenden globalen Wettbewerb zunehmend auch Investitionsgüter betroffen. Dabei sind margenstarke Ersatzteile und Komponenten besonders bedroht. Produktpiraten beschränken sich jedoch nicht darauf, sondern kopieren bereits vollständige Maschinen und Anlagen. Direkte Folge der Produktpiraterie für Unternehmen sind Umsatz- und Gewinneinbußen. Heute verzeichnen bereits 30% der Unternehmen pro Jahr Schäden von mehr als 5% ihres Umsatzes. Weitere Folgen für die Unternehmen sind ein sinkendes Preisniveau, Imageverluste und die Erosion der Marke sowie die Gefahr einer möglichen Produkthaftung für Piraterieware.

Video: Schutz vor Produktpiraterie

Weit verbreitet ist der Ansatz, Produktpiraterie mit juristischen Mitteln zu bekämpfen. Dieser Ansatz greift jedoch zu kurz, weil sich die Wirkung erst nach dem Eintreten eines Schadens voll entfaltet und Schutzrechte in den Ursprungs- oder Umschlagsländern von Piraterieware oftmals schwer durchzusetzen sind. Darüber hinaus ist der Schaden durch Know-how-Abfluss nicht reversibel – der Wissensvorsprung ist verloren.

Das TCW Konzept

Zukünftig müssen Unternehmen ihre Produkte durch durchdachte Strategien gezielt vor Produktpiraterie schützen. Dazu muss der Piraterieschutz auf die gesamte Wertschöpfungskette ausgeweitet werden. Der Schutz vor Produktpiraterie ist eine gemeinsame Aufgabe aller Funktionen im Unternehmen und schließt Forschung, Einkauf, Entwicklung, Produktion, Rechtsabteilung, IT-Infrastruktur, Marketing, Vertrieb und After Sales sowie die gesamte logistische Kette mit ein. Bei der Gestaltung des Schutzkonzepts ist die Generierung von zusätzlichem Kundennutzen ein wichtiges Ziel, weil dadurch die Akzeptanz der Schutzmaßnahmen gesteigert wird und zusätzliche Leistungen vermarktet werden können. Neben dem Schutz der Produkte bildet die Ausgestaltung des Know-how-Schutzes eine wichtige Grundlage für ein erfolgreiches Schutzkonzept. Sie umfasst unter anderem Fragen des internen und externen Umgangs mit Informationen, beispielsweise Zugriffs- und Zutrittsberechtigungen, Kommunikationspolitik, Sensibilisierung der Mitarbeiter, Verschwiegenheitserklärungen, Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen und Kunden.

Zunächst werden die im Unternehmen mit der Fragestellung „Bekämpfung von Produktpiraterie“ betrauten Abteilungen auditiert, um die Basis für die Beurteilung der aktuellen Bedrohungslage zu schaffen. Anschließend erfolgt die Ist-Analyse der derzeit schon im Unternehmen eingesetzten Methoden zum Schutz vor Produktpiraterie sowie der vorhandenen Maßnahmen zum Know-how-Schutz. Es folgt die Bewertung des produktspezifischen Schutzbedarfs und die Ableitung des Handlungsbedarfs zur Behebung identifizierter Schwachstellen im Know-how-Schutz. Zum erkannten Schutz- und Handlungsbedarf werden spezifische Maßnahmen zur Erhöhung des Schutzniveaus erarbeitet und implementiert sowie Maßnahmen zur Erfolgskontrolle festgelegt.

Ziel ist ein optimierter Schutz vor Produktpiraterie z.B. durch:

  • Technische Schutzvorkehrungen und Fälschungsbarrieren,
  • Originalitäts- und Unikatkennzeichungen der Produkte,
  • Sicherung und Kontrolle der logistischen Kette,
  • Ausgestaltung der internen und externen Maßnahmen zum Know-how-Schutz,
  • Standort- und Sourcing-Entscheidungen,
  • Produkt/Service-Kombinationen.

Ergebnisse / Potenziale

Die funktionsübergreifende Sichtweise erlaubt es, die vorhandenen Einzelmaßnahmen zu verbessern, zu ergänzen und ein effizientes und effektives Schutzkonzept im Unternehmen zu implementieren. Ergebnisse sind:

  • Darstellung und Bewertung der aktuellen Maßnahmen zum Schutz der Produkte und des Know-how-Schutz-Konzepts,
  • Analysen der spezifischen Bedrohungslage und Risikoprofile der Produkte bzw. Produktgruppen,
  • Schutzkonzepte und -strategien für die untersuchten Produkte bzw. Produktgruppen,
  • Einflussfaktoren zukünftiger Vergabe- und Standortentscheidungen hinsichtlich des Know-how-Schutzes und der Bedrohung durch Produktpiraterie,
  • Schaffung eines bereichsübergreifenden Verständnisses und Sensibilisierung der Mitarbeiter hinsichtlich der Bedeutung von Produktpiraterie und der Mitwirkungspflichten und -möglichkeiten des Einzelnen,
  • Priorisierte Handlungsfelder zur Verhinderung von Know-how-Abfluss.

Wesentliche Potenziale ergeben sich direkt durch die Vermeidung von Piraterieware und damit durch den Erhalt des Umsatzes. In Abhängigkeit von Art und Ausmaß der Produktpiraterie und den betroffenen Produkten können bis zu 90% der Pirateriefälle vermieden werden. Dies entspricht einem zusätzlichen Umsatz von bis zu 10%. Entscheidend ist neben dieser kurzfristigen, direkten Absicherung des Umsatzes vor allem eine Stärkung des Unternehmensimages durch das aktive Vorgehen gegen Produktpiraterie.

Weiterführende Literatur zum Thema Schutz vor Produktpiraterie

  • Innovationsmanagement
    Leitfaden zur Einführung eines effektiven und effizienten Innovationsmanagements
  • Konzeptwettbewerb
    Konzeptwettbewerb und Know-how-Schutz in der Automobil- und Zulieferindustrie in Klein- und Mittelbetrieben
  • Plagiatschutz
    Handlungsspielräume der produzierenden Industrie gegen Produktpiraterie
  • Produktpiraterie
    Leitfaden zur Einführung eines effektiven Kopierschutz-Managements
  • Wissensmanagement im Unternehmen
    Leitfaden für die Gestaltung und Implementierung eines aktiven Wissensmanagements im Unternehmen

Praxisbeispiele zum Thema Schutz vor Produktpiraterie

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