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Erfolgreich die Beschaffungskosten durch Global Sourcing verringern

[05.09.2019]

Foto: Romolo Tavani - stock.adobe.com
Viele Unternehmen kennen die Methode, doch nur wenige setzen sie erfolgreich ein: Global Sourcing. Der Grund: Aus Angst vor Qualitätsverlusten und Lieferschwierigkeiten konzentrieren sich viele dieser Unternehmen eher auf Lieferanten, die nur wenige Kilometer vom eigenen Standort entfernt sind. Dem Einkauf ist meist kein Vorwurf zu machen. Vielmehr stellen sich interne Funktionsträger bei einem Wechsel, insbesondere zu asiatischen Lieferanten, quer. TCW konnte dennoch bei einem Unternehmen die internen Hemmnisse abbauen und die Beschaffungskosten drastisch reduzieren.

Ausgangssituation

Ein amerikanisches, mittelständisches Unternehmen aus der Elektronikbranche bat TCW um Unterstützung, da es seit der Elektronikkrise Schwierigkeiten hatte, wieder aus den roten Zahlen zu kommen. Die ersten Gespräche mit den Experten vor Ort zeigten, dass das Unternehmen gleich mehreren Herausforderungen gegenüberstand: Lange Lieferzeiten führten auch nach der Elektronikkrise immer wieder dazu, dass das Unternehmen Produktionsaufträge nicht annehmen konnte oder diese storniert werden mussten. Nicht nur, dass Produktionskapazitäten ungenutzt blieben, auch die Absatzzahlen blieben hinter den Erwartungen des Managements zurück. Die hohe Variantenvielfalt des Unternehmens bei gleichzeitig geringen Einkaufsvolumina erschwerte des Weiteren eine günstige Preisgestaltung am Markt. So stieg der Materialkostenanteil Jahr für Jahr an. Ein weiteres Problem war, dass Produktmodernisierungskonzepte in der Entwicklung in den letzten Jahren nicht vorangetrieben wurden. Die alten Produktdesigns führten nicht nur zu einer erschwerten und teureren Teilebeschaffung, da nicht mehr jeder Lieferant die benötigten Elektronikkomponenten herstellte, sondern auch zu einem veralteten Technologieeinsatz in der Produktion. Automatisierungskonzepte konnten vor diesem Hintergrund nur bedingt umgesetzt werden. Dem Innovationsstau zum Trotz bedurfte es allerdings einer schnellen Lösung. Mit dem klassischen Pre-Check des TCW wurde in einer ersten Voranalyse deutlich, dass ein Global Sourcing Ansatz im Einkauf die Beschaffungskosten um mehr als 30% durchschnittlich reduzieren könnte. Auch wurde im Pre-Check deutlich, dass 95% der Lieferanten aus dem eigenen Land stammten. Die Begründung für diesen hohen Wert: Der Einbezug asiatischer Lieferanten wurde von verschiedenen Funktionsträgern aus der Entwicklung und dem Vertrieb strikt abgelehnt.

Vorgehensweise des Projekts

TCW war bei der Durchführung von Global Sourcing Projekten bereits mehrfach in nationalen wie internationalen Projekten auf massive Abwehrreaktionen unterschiedlicher Funktionsträger gestoßen und für das Thema sensibilisiert. So hat sich über die Jahre auch die TCW-Global Sourcing Methodik stetig weiterentwickelt. Die Projektarbeit beim Unternehmen beruhte deshalb auf den klassischen 5 Phasen:


Die Erarbeitung des Projektleitfadens dient der Strukturierung des Lösungsweges im Projekt. Die Erarbeitung eines Kommunikationskonzepts ist das Schlüsselelement jedes Global Sourcing Projekts. Hierbei wurden Projektdokumente und -fortschritte kontinuierlich aufbereitet und über unterschiedliche Kommunikationskanäle den Mitarbeitern zugänglich gemacht. Darüber hinaus wurde ein wöchentlicher Jour Fix eingerichtet, in dem die Mitarbeiter ihre Bedenken und Sorgen äußern durften. Dies förderte einen offenen, funktionsübergreifenden Dialog über Chancen und Risiken und beugte Missverständnissen vor.

In einem zweiten Schritt wurden die Beschaffungsmärkte und passende Anbieter identifiziert. Anhand von Länderprofilen wurden die potenziellen Beschaffungsmärkte für das Unternehmen bestimmt. Die Länderprofile gaben dabei die aktuell vorherrschenden Situationen in den globalen Beschaffungsmärkten an und beinhalteten neben allgemeinen Angaben (z.B. Infrastruktur, Rohstoffvorkommen, Qualifikationsgrad) vor allem konkrete Wirtschaftsindikatoren und Faktorkostenpotenziale. Die anschließende Analyse passender Lieferanten in den jeweiligen Beschaffungsmärkten stützte sich auf ein Trichtermodell, dass ein stufenweises Herausfiltern der geeignetsten Lieferanten ermöglichte. Die Evaluation der Lieferanten erfolgte auf Basis von wirtschaftlichen, technischen und qualitätsbezogenen Kennzahlen, die durch Selbstauskünfte, Bedarfsanfragen und Auditierungen erhoben wurden.

Der dritte Schritt beinhaltete die Einholung von Angeboten der identifizierten Lieferanten und eine ganzheitliche Bewertung des Potentials, der Kosten und der Risiken. Die Anbieter wurden demnach zunächst mit einem Auszug bestimmter Bauteile des Beschaffungsvolumens konfrontiert und nach einer Quote gefragt. Da Logistikkosten, Zölle und Steuern einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten einer internationalen Abnehmer-Lieferantenbeziehung ausmachen, wurden diese Kosten detailliert erhoben. Das Konzept der Total Cost of Ownership unterstützte das Beschaffungsmanagement bei der kostenmäßigen Bewertung von Vergabealternativen. Die TCO-Methodik erhöhte zudem das Verständnis für die Ursachen und Wirkungszusammenhänge unterschiedlicher Vergabeoptionen bei den Mitarbeitern und trug zum Abbau von unternehmensinternen Hemmnissen gegenüber Global Sourcing bei.

TCW begleitete im Zuge des Lieferantenmanagements noch die Qualifikations- und Aufbauphase des potenziellen Lieferanten. So wurden in dieser Phase zum Beispiel Prototypen angefragt, getestet und mit dem Lieferanten über Anpassungen diskutiert. Wesentliche Bestandteile waren zudem die kontinuierliche Überwachung der Erfolgswirksamkeit sowie die laufende Lieferantenbewertung und Kommunikation der jeweiligen Funktionen.

Nachhaltiger Erfolg der sich lohnt!

Gemeinsam mit TCW schafft das Unternehmen bei einem anfänglichen Einkaufsvolumen von 30 Millionen USD, die Kosten um mehr als 37% im Durchschnitt zu reduzieren. Die Lieferzeiten konnten ebenfalls verringert werden, da die Materialien teils unmittelbar von den Herstellfabriken bezogen werden konnten und Zwischenhändler übersprungen wurden.


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