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Messeaudit

Durch strukturierte Vorbereitung von Messebesuchen und anschließend formalisierte Zusammenführung der gesammelten Erkenntnisse können Messeaudits als effiziente Informationsquelle über die Wettbewerber genutzt werden.

Herausforderung

Bei der Generierung neuer Lösungen und Ideen besteht häufig das Problem, dass der offene Austausch von Informationen oder die Besichtigung der Produktionsbereiche der Wettbewerber in der Regel nicht möglich ist. Wenn die Mitbewerber keinen rechtlichen Vorgaben zur Veröffentlichung von Unternehmenszahlen unterliegen, wird auch die indirekte Datenbeschaffung schwierig. Zudem kann die offizielle Beschaffung von Wettbewerbsprodukten Restriktionen unterliegen, so dass auch das visuelle und haptische Lernen am Produkt begrenzt wird. Die eingeschränkte Möglichkeit zur detaillierten Analyse der Faktorkosten sowie der Prozessgrößen der Mitbewerber bereitet in besonderem Maße auch mittelständischen Unternehmen Probleme. Häufig kann nur eine begrenzte Anzahl von Wettbewerbsprodukten beschafft, getestet, demontiert und kalkuliert werden, weil aufgrund finanzieller Restriktionen eine breite Analyse der Wettbewerbsprodukte unmöglich ist. Liegen derartige Restriktionen vor, müssen andere Wege zur Beschaffung von Informationen als Basis für Lern- und Kreativitätsprozesse gefunden werden.

Das TCW Konzept

Insbesondere bei der Unterstützung der Durchführung von Produktkliniken sowie der Optimierung von Produktionsprozessen unterstützt das TCW seine Kunden bei der Durchführung strukturierter Messeaudits. In den meisten Branchen finden in regelmäßigen Abständen große Messen statt. Vielen Firmen gelingt es nicht, diese Informationsquelle effizient zu nutzen und sie entsenden ihre Mitarbeiter zur individuellen Informationssammlung. Eine strukturierte Vorbereitung dieser Messebesuche bzw. eine anschließend formalisierte Zusammenführung der von den einzelnen Teilnehmern gesammelten Erkenntnisse findet meist gar nicht oder nur auf informeller Basis statt. In erster Linie ausgelöst durch die Analysen der Wettbewerbsprodukte im Rahmen von Produktkliniken oder vor dem Hintergrund der Weiterentwicklung der Produktionsprozesse und -technologien, wurde die in der Abbildung dargestellte Vorgehensweise zur Durchführung des Messeaudits entwickelt.

In der ersten Stufe wird im Rahmen eines Workshops ein Grobkonzept für das Messeaudit erarbeitet. Im Rahmen dieses Workshops werden mit Vertretern aller Fachbereiche die benötigten Daten gemeinsam erfasst und strukturiert.

In der zweiten Stufe wird bestimmt, welche der benötigten Informationen ohne direkten Kontakt zu Unternehmensvertretern am Messestand ermittelt werden können und für welche Informationen der persönliche Kontakt zu den Standbetreuern notwendig ist. Die Praxis hat gezeigt, dass die Informationen, die durch visuelle Wahrnehmung der ausgestellten Produkte, der Ausstellungswände der Wettbewerber und über die Auswertung von Prospektmaterial erfasst werden können, am besten über die eigenen Mitarbeiter aufgenommen werden. Es hat sich bewährt, einen Messeplan mit den relevanten Ausstellern, dem jeweiligen Informationsbedarf und den Verantwortlichen aus dem eigenen Unternehmen zu erstellen. Die Informationen, die nur durch das persönliche Gespräch mit Unternehmensvertretern erfasst werden können, lassen sich in technische und marktbezogene Informationen unterteilen. Bei den technischen Informationen handelt es sich um Informationen zum Produktprogramm, technische Detaillösungen oder Rückschlüsse auf die eingesetzten Produktionsprozesse und -technologien. Diese Informationen sollten im Normalfall durch die Mitarbeiter der eigenen Entwicklungs- bzw. Produktionsabteilung oder das Produktmanagement erhoben werden. Marktbezogene Informationen beziehen sich auf unternehmensspezifische Daten wie Umsatz, Anzahl produzierter Maschinen pro Jahr, das Serviceangebot etc. Diese Informationen werden durch speziell auf Messebefragung geschulte Mitarbeiter des TCW erhoben.

In der dritten Stufe werden mögliche Antworten definiert und Vertiefungsfragen erarbeitet. Dadurch wird die Qualität und Vergleichbarkeit der aufzunehmenden Informationen erhöht. Da ein Teil der benötigten Informationen durch die eigenen Mitarbeiter aufgenommen wird, empfiehlt es sich, vor einem Messeaudit eine Schulung der Mitarbeiter durchzuführen.

In der vierten Stufe wird während der Messe der Erfahrungsaustausch der Mitarbeiter organisiert. Berater des TCW übernehmen die Moderation der aufgetretenen Schwierigkeiten sowie die Vermittlung von erfolgversprechenden Alternativansätzen zur Informationsermittlung.

Nach der Messe werden in der fünften Stufe die Ergebnisse der Teilnehmer gesammelt und durch das TCW in Form eines Messeberichts konsolidiert. Es empfiehlt sich, die beteiligten Teammitglieder die Highlights ihres Themenfeldes präsentieren zu lassen. Auf diese Weise lassen sich durch eine Diskussion Implikationen identifizieren, die sich aufgrund der neuen Erkenntnisse für die eigenen Produkte und das eigene Unternehmen ergeben.

Ergebnisse / Potenziale

Die Ergebnisse der charakterisierten Vorgehensweise sind:

  • Strukturierung des Informationsbedarfs über Wettbewerber,
  • Schulung und Betreuung der Mitarbeiter vor und während des Messeaudits,
  • Aufnahme von marktspezifischen Daten durch speziell geschulte TCW-Berater,
  • Konsolidierung der Auditergebnisse sowie Moderation eines Ergebnis-Workshops,
  • Schaffung eines Standards zur Durchführung zukünftiger Messeaudits,
  • Schaffung eines Verständnisses bei den Mitarbeitern für die Relevanz von wettbewerbsbezogenen Informationen,
  • Ansätze zur Verbesserung der eigenen Produkte sowie Strategien zur Gestaltung des Produktprogramms,
  • Identifikation relevanter Informationen und neuer Denkansätze für die weitere Analyse im Rahmen einer Produktklinik oder einer umfassenden Optimierung der Produktionsprozesse.

Durch die Anwendung des standardisierten Messeaudits lassen sich erhebliche Potenziale identifizieren. Neue Ideen und Lösungsansätze bieten die Möglichkeit, sowohl die Leistungsfähigkeit des Produktprogramms zu verbessern als auch erhebliche Kostenpotenziale zu realisieren.

Weiterführende Literatur zum Thema Messeaudit

Tools zum Thema Messeaudit

  • F&E-Zulieferer-Check
    Differenzierte Handlungsempfehlungen zur Verbesserung von F&E-Kooperationen durch systematische Analyse und Bewertung
  • Innovationsaudit mit Innovation-Check
    Verbesserungspotenziale im Innovationsmanagement identifizieren und eine leistungsfähige Innovationskultur im Unternehmen verankern
  • Internetbasierte Conjoint Analyse
    Messung der Bewertung des Kundennutzens bestimmter Produktmerkmale zur optimalen Gestaltung von Produkten
  • Produktprogrammplanung
    Marktgerechte Produktkonzepte ableiten, indem portfoliointerne Negativeffekte wie Kannibalisierung und Programmlücken aufgedeckt werden
  • SCM-Check
    Qualitative Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Supply Chains und Aufzeigen von Handlungsempfehlungen

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